Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1856)
- Date
- 1856-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Verständigung und Abwehr. 37 knöcherte; Formen und Formeln allmälig sich versteinerten und verkrusteten — da kam die Einheit! — Doch nein, auch dann wagte man es noch, Gebete, auS dem Drange des gedrückten Herzens heraus, umer dem Widerspruche der Gesetzeeautoritäten, die immer und immer wieder auf die alten, einsacken Gebete zurückwiesen, in diese einzuschalten, und zwar nicht überall dieselben— in Spanien andere, in Polen andere, in Deutschland andere, so daß es bald, von den Karäern und späteren Chassidim gar nicht zu reden, einen portugiesischen, italienischen, polnischen, deutschen, und hier wieder einen Wormser, einen Frankfurter, einen Fürther, und wer weiß was alles noch für einen Minhag in Israel gab! — So standen ehedem die Sachen! — -------- Und unserer Zeit, — in welcher das Bedürftnß nach Neugestaltung auf allen Gebieten des Lebens so gewaltig sich regt; die notorisch ganz andere Bedürfnisse auch auf religiösem Gebiete heget, als die früheren Zeiten; in welcher rie Israeliten, so schwer Druck und Zurücksetzung hier und dort noch auf ihnen lasten, doch unter ganz anderen Zuständen und Verhältnissen leben, als zu den Tagen der Abfassung unserer meift-n Gebete — unserer Zeit gerade soll es als Vergehen, ja. als Verbrechen gegen die Einheit Israels angerechnet werden, wenn die Gemeinden den Zuständen gemäß ihre eultuellen Verhältnisse ordnen? ihr wird, zur Beschönigung der eigenen Unthätigkeit, das Zeugniß der Armuth und der Impotenz aufgenöthigt, daß sie unfähig sei, ihrem Bedürfnisse gemäß Neues zu schaffen, und daher nothwendig, wie die protestantischen Mystiker zu den alten Kernliedern zurückgreifen, so auch wir bei den veralteten selleiistlz und?iutim stehen bleiben müssen? — Nun dennZ Zugegeben, es fehle an jener Kraft, entsprechend Neues hervorzubringen — wie rechtfertigt Ihr damit das Unrecht, das am Alten offenbar Schadhafte nicht abzustellen?—Auch ohne Einführung neuer Gebete und Gesänge gebietet ja die, wieder in ihr Recht eingesetzte Predigt allein schon ein Platzmachen, ein nothwendigeS Abkürzen des Gottesdienstes — und sind wir dann nicht sogleich mitten in der Reform? — Allein wir können jenes Ar-