Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 9 (September 1858)
- Date
- 1858-09-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Nmülscha«. Der Kinderraub^ zu H olo g^a ertegt'inrch beL UÄS allgememe^Aufsehen. Man sollte nicht glauben, daß solche Handlungen Irsch im 19. Jahrhundert vorkommen könnten. Muß nicht einem Vater und einer Rutter das Herz zerreißen, wenn fie hören, auf welch' grausame Weise im Juni d. Z. dem Israeliten Momoio Mortara in Bologna sein 6V2 Zahre altes Söhnchen, weit es heimlich getaust worden ist, gewaltsam entrissen und in ein Jesuitentloster in Rom gesteckt wurde? Wenn in unseren Tagen solche Barbareien auf Rolns ausdrücklichen Befehl ausgeübt werden, dann ist es wahrhaftig Pflicht der unabhängigen Presse, gegen solche unmenschliche Räubereien aufzutreten. Der deutschkatholische Pfarrer Alb recht in Ulm hat bereits das Verdienst, in Nummer 3l. seiner,Kirchenfackel" in dieser Sache ein kräftiges Wort gesprochen zu haben. Zu unserer großen Freude haben wir aber vernommen, daß Herr Albrecht ein besonderes Schriftchen über diesen Kinderraub mit vielem Gefühl und tief zu Herzen dringenden Worten geschrieben hat, wofür ihm namentlich die Israeliten dankbar sein werden. Möchten diesen Fall alle diejenigen beherzigen, welche beim Comordat eine Stimme mitzusprechen das Recht haben." — Die betreffende Schrift des wackeren Herrn Pfarrer Alb recht (Ulm, bei Nübling) sollte zahlreich von allen Juden gekauft werden, sowohl ihres Inhaltes wegen, als um dem trefflichen Manne ein, wenn auch nur kleines Zeichen der Anerkennung zu zollen, was immer wohl thut. Wir lassen hier den kräftigen Schluß der Broschüre folgen; er lautet: ,.JHr Aude n, ruft es der Christenheit in die Ohren, welch' ein himmelschreiendes Unrecht euch hier in dem einen Juden geschah! Ihr Protestanten, protestirt gegen ein solches Versahren, protestirt dagegen, daß es noch im Wege Rechtens geschehen dürfe in unserm Jahrhundert! — Ihr Katholiken, verlangt, daß man dem Vater den Raub herausgebe;, sagt, daß ihr nicht Antheit haben möget an einer solchen Schuld! — Und ihr, die ihr euer Vaterland, die ihr die Menschheit lieb habt, ergreift jede gesetzmäßig zu Gebot euch stehende Waffe, um zu verhindern^-daß nicht unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit Privilegien geschaffen werden, welche das Volk Grundsätzen überantworten helfen, wie fie in Bologna sich kundgethan haben, Grundsätzen, denen der JesuirismuS zujauchzt, die Humanität aber zum Opfer fallen muß! Wohlan denn! ES thue jeder seine Schuldigkeit!" — .'. Die »Ulmer Schnellpost" fertigt eine Gegnerin des Rechtes in derbster Weise ab; wir lassen den Artikel hier folgen: »ES gibt Sachen, die zusammenbrechen, und verloren find, sobald man d'ran rührt. Man muß fie gegen Angriffe schützen. Sie find aber auch verleren, wenn man fie vertheidigt. Ich bin unwilltührlich daran erinnert worden, .als. ich heute den Leitartikel »Der Kinderraub zu Bologna" in Nr. 19S des Deutschen Vvlksblattes las- Er antwortete auf meinen Artikel »Der Kinderraub