Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1858)
- Date
- 1858-02-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3129675-3129754-3129756--2343-3130969- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die BerrSthsr? Her Herr, Gott, wird mir beistehen;" und der Talmud sagt: "VI P'M „die beleidigt werden und nicht wieder. Heleidigen, sich schmähen hören und nicht Antwort geben, von ihnen heißt eS. GotteS Freunde gleichen der Sonne, wenn sie hervorstrahlt in ihrer Macht." So verhält eS sich mit unfern religiösen Schriften.— Und wie verhält eS sich mit dem Leben? Verlangt nicht die christliche Lehre selbst: „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen?" Und hat nicht der große Gedankenmeister des vorigen Jahrhunderts in seinem ^Nathan" das Rechte getroffen, wenn er sagt, daß dieienige Religion als im Besitze des höchsten, reinsten LiebesgtboteS sich manifestiren werde, deren Bekenner dasselbe am eklatantesten gegen die Bekenner anderer Religionen kundgeben? Zu welcher Zeit nun, fragen wir, hat hierin daK Christentum das Zudenthum überflügelt? Etwa zu den Zeiten, wo des Meisters Won: „ich bin nicht gekommen den Frieden zu bringen, sondern daS Schwert", in so furchtbarer Weife gegen Heiden und Ketzer bethättgt wurde? Etwa in den Zeiten, wo Huß von Katholiken und Serveto von Protestanten verbrannt wurden? Etwa zu den Zeiten, wo die christlichen Völker sich mit der Geißel GotteS betraut fühlten, sie über den Hucken ihres Bruders Israel zu schwingen? Zu den Zeiten, wo Israel die Tugenden der häuslichen Liebe, der Familienliebe, der Gastfreundschaft und der Wshlthatigkeit in so unvergleichlicher Weise ausübte, und ihm dazu nur die Tugend der allgemeinen Mchstenliebe allerdings abging — «eil — weil eS ihm eben außerhalb Israel an„N äch sten" fehlte, da die Völker sich seiner Liebe entzogen und haß- und verachtungsvoll sich ihm so ferne gestellt hatten! — Man sazl freilich. daS waren finstere Zeiten; in der neuer» Zeit, hat sich das Alles geändert, und daS Christenthum bethättgt^ sich vielfältig als eine Religion der Liebe auch gegen Israel! Allein wir fragen, hat sich in der neueren Zeit nicht auch Zsrael .la dieser Richtung ebenbürtig gezeigt? Zn der Bethätigung welcher allgemeinen LiebeSpflicht bleiben wir hinter den christlichen Brüdern zurück? Und können die in Rede stehenden Gerrächer e« nicht auS ihrer eigenen Erfahrung bethätigen, «it Iii /