Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 9 (September 1859)
- Date
- 1859-09-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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30S_____ Rundschau. Angelegenheit gethane Aenßerung: „der Kremfierer Reichstag will die Judm nicht emaneipiren, wir wollen der Welt zeigen, daß wir liberaler find, als der Reichstag" wurde erst neulich in den öffentlichen Blättern reproducitt. - S-d.) . Königsberg, 1. Sept. Diese Woche ist hier der erste Fall vorqekommen, meldet die „Ostpr. Z.". daß ein jüdisches Brautpaar sich mit der bloßen, vom Staate gebotenen Civil ehe begnügte, ohne ihr, wie es bisher allgemein üblich war, die vom Judenthum als unerläßlich vorgeschriebene religiöse Trauung nachfolgen lassen. Daß die Braut die Tochter eines Borstandsmitgliedes der Königsberger «synagogengemeinde ist, gib: dem Falle eine besondere Bedeutung. (Wir können das in Rede stehende Ehepaar nur auf das tiefste be-' dauern, daß es — noch dazu, wie es den Anschein hat, ohne alle und jede Veranlassung — seine eheliche Verbindung zu einem bloßen gemeinen Societätsvertrag herabgesetzt hat, den man, wie so manchen andern Vertrag im bürgerlichen Leben, vor der weltlichen Behörde allerdings in legaler Weise abschließt. Der religiöse Charakter der Ehe, als einer göttlichen Institution, die Herzen und Seelen vereinigt, die die Gewissen bindet, die ganze Weihe des Ehebundes ist damit hinweggetilgt und es bleibt blos ein KrerS juristisch-kalter Pflichten und Rechte, in welchen das Paar eingetreten ist. Zwar wird, wenn die Ansicht der Betreffenden war, Aussehen zu erregen, diese Absicht im gewissen Sinne erreicht worden sein; daß dieser Hergang jedoch geringe oder gar keine Nachahmung finden werde, dafür bürgt uns der hohe Ernst, von welchem das jüdische Gemüth bei diesem entscheidenden Standpunkte in dem Leben ergriffen zu sein pflegt, das ganz und gar unbefriedigt bleiben würde, wenn der Eintritt in diese heiligste Verbindung auf Erden profanirt, ohne religiöse Feier, ohne Anrufung Gottes pattfinden sollte. S—d.) Danzig, 13. Sept. In der heutigen Stadtverordneten-Versammlnug wurde behufs Besetzung einer vacanten Stadtraths stelle der Kaufmann Daniel Hirsch zum Stadträth gewäblt. Derselbe, bemerkt die „Königsb. H- Ztg.", ist der erste Israelit, welcher im Magistrat Sitz und Stimme erhält. Ueber die Darmstädter Lehrer-Conferenz sind uns von Seiten mehrerer Lehrer — für diejenigen Rheinhessens hat Herr Kling enstein das Wort ergriffen — energische Protestationen und Klagen zugegangen, namentlich gegen die in manchen Punkten in der That ganz unv gar verfehlten Statuten. Das en-dloe-Annehmen derselben wird sehr getadelt, und daS mit vollem Rechte. Wie uns Herr Lehrer Feuchtwanger aus Griesheim mittheilt, sind jene Statuten von der Regierung verworfen worden, was die Sache am Einfachsten erledigt. Wir selbst batten von jener Conferenz, als zur Zeit unpraktisch, abgerathen, indem wir überzeugt find, daß die Großh. Regierung in der Sache nichts thun wird, bevor der neuerwählte Rabbiner Herr vr. Landsberg insiallirt ist. Von diesem, einen eben so tüchtigen wie wohlwollenden Mann, dürfen aewH auch die israelitischen Lehrer des Großherzogthums des besten Einstums auf die Regulirung ihrer Angelegenheit gewärtig sein. — Im Uedrigen rathen wir zum Frieden, und die allerdings verfehlte Conseren;;n Darmstadt mit dem Mantel der Liebe zu bedecken. Eine nach dem Ämtssntritte der Herrn vr. L. zu berufende Conferen; wird dann beschließen, we Beschlüsse der jüngsten Eonferenz einer zweiten Lesung zu untergehen; b!S dorthin, wir hoffen damit die Meinung der Majorität auszusprechen, mögen dieselben auf sich beruhen. — Die Mittheilung der Statuten m d. Bl. wvd unterbleiben. L. S.