Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 4 (April 1859)
- Date
- 1859-04-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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SA Sur Mortara-Gefchichte. (Sin Aktenstück.) Den so vielfach schon besprochenen trübseligen Gegenstand hier nochmals ausführlich besprechen zu wollen, bin ich weit entfernt, obgleich der Stand der Sache leider noch immer gerechten Anlaß dazu giebt. ES ist gewiß eines der traurigsten Zeichen der Zeit, daß eine Macht und eine so große, wie die katholische, so grausam sein kann, den Armen der Eltern ihr geliebtes Kind zu entreißen und ein Kind von seinen Eltern zu trennen, ohne daß von diesen oder jenem auch nur im Entferntesten ein Anlaß dazu gegeben ist. Es ist schauerlich, dieses jetzt noch als möglich zu denken, aber es wäre die bitterste Täuschung, wollte man sich Hoffnung machen, es durch Besprechung zu ändern. Aber ich bin in der Lage, einen sehr bedeutsamen Jrrthum aktenmäßig zu beseitigen, und dieses macht mir die Veröffentlichung dieser Zeilen zur Pflicht. Daß die That an sich schauderhaft und unmenschlich grausam ist, geben auch die eiftigsten Bertheidiger zu; denn ihr einziger, den Eltern dargebotene Trost ist ja der, daß der jüdische Mortara für die Eltern unter die Räder eines Wagens gekommen, zermalmt und todt sei, daß die jüdischen Eltern ihr Kind verloren hätten, sie sehen es als ein Unglück an, bestreiten aber, daß es ein Unrecht sei. Wir wollen die sophistische Behauptung, daß es kein Unrecht sei, wenn man ein Unglück abwenden kann und eS unterläßt oder gar ausübt, nicht weiter in Betracht ziehen, aber wenn es deßhatb selbst von humanen Katholiken für ein Unglück und kein Unrecht gehalten wird, weil nach den Grundsätzen der katholichen Kirche das getaufte Kind nicht aufhören kann, ein katholisches zu sein, so ist das ein Jrrthum, wie ich durch folgende Thatsache beweisen kann. Ein jüdisches Mädchen aus R. mit Namen Caroline W. hatte sich in seiner Jugend katholisch taufen lassen und den Namen Justina erhalten: Später bekam sie Reue und wollte wieder zum Judenthume zurückkehren und wendete sich an mich, als ihren zuständigen Rabbinen (ich war damals in Kissingen,