Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 11 (November 1860)
- Date
- 1860-11-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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«iSlKdqche «efchicht« i» der jüdische» Schule. O4S schen in unserer Zeit ein "naheW «nentbehrlicheL Gch)rderniß geworden ist^ so ist die Kenntniß semer Volks- und ReligionsAöschichte für dezl Israeliten unserer Zeit und der Zukunft ein um so größeres Bedürfniß. Aus der^ Quelle der Geschichte schöpft der Theologe, der Jurist, der Literat; sie biekt dem Künstler bei seinen Schöpfungen, dem Redner auf der Tribüne den reichsten Stoff. Aus ihr erholen sich Tausende Raths, um bei ihren Entwürfen für sich und die Menschheit zu einem erwünschten Ziele zu kommen. Die Geschichts-Wissenschaft ist für die große Schaar von gebildeten und strebsamen Männern kein Fach-, kein Brodstudium; sie ist ein Gemeingut, von dem Alle ohne Ausnahme die Interessen ziehen. An allen Lehranstalten wird daher die allgemeine Weltgeschichte^ insbesondere aber die Geschichte des eigenen Vaterlandes als Pensum in den Lehrplan aufgenommen. Dadurch wird die Theilnahme geweckt, der Patriotismus gehoben, der Unwissenheit die Thüre versperrt, und dadurch ein Geschlecht herangezogen, dessen, mit vielem Recht beklagte materielle Richtung durch das den höhern geistigen Interessen mgewendete Geschichtsüudium veredelt und gehoben, und dadurch mit der geistigen Höhe der Zeit in Einklang gebracht wird. Gilt dies schon von der allgemeinen Geschichte für die öffentlichen Schulen, so gilt dies noch in einem höheren Sinne von der jüdischen Geschichte für die jüdischen Schulen. Vor Allem ist es da oft wahrhast peinigend, Urtheile mit anzuhören, die geradezu der Geschichte Hohn sprechen und mit ihr im direkte st^Widerspruche^ stehen/Man begegnet oft in Beziehung auf die jüdische Geschichte Anachronismen und Idiotismen, selbst bei Solchen, von denen man eine bessere Kenntniß;u erwarten berechtigt wäre. Es würde daher gewiß nicht zuviel verlangt erscheinen, wenn man die Kenntniß der jüdischen Geschichte nicht blos für die höhern Lehranstalten, sondern selbst für die jüd. Volksschule unserer Zeit als ein unentbehrlich gewordenes Schulpensum declarirte. Freilich muß der Unterricht nicht ein trockner, sondern flüssiger sein. Welchen Nutzen die Religionslehre, die Liebe, die Wärme, die Anhänglichkeit für den väterlichen Glauben daraus ziehen würde, ist unberechenbar. Zwar wird längst schon biblische Geschichte als ein Unterrichts'-Gegenstand unter die Aufgabe der Volksschule gerechnet. Aber wie weit reicht dieser Unterricht? Bis M Zerstörung des ersten Tempels; dann reißt der Faden mit einem Male ab. Die zweite Tempelperiode, mit ihren großen, anregenden Momenten, mit den großen Männern dieser Ziestaurations- Periode deS religiösen Lebens, geht leer aus, oder wird ganz stiefmütterlich behandelt. Von derDätern, wenn auch nicht mehr politischen, doch religions-wissenschastlich so bedeutenden Entwicklung des Judenthums, ist gar nicht die Rede mehr.