Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1860-04-01 · Heft 4 (April 1860) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
9 (1860)
Issue
Heft 4 (April 1860)
Date
1860-04-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3129675-3129731-3129736--3095-3130384
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

!TT Fest-Predigtm hei her Synagogen-Einweihung. letzter AthemjUg ist: -Sekems Israel!- Begebet euch in die Häuser der Annen, der um ihr Brod Sorgenden, der in einem Ui^ und. Unglück Schmachtenden — . der Seufzer, .welcher sich der gepreßten Menschenbrust entwindet, ist: »8ekemg ^ispse!!- BealeUet' den. Heimathlosen in ferne Zonen, wo er sich eine neue Lebensstätte suchet, wenn er einen Genossen des alten Duldervolkes trifft, stim flehentlicher, nie unerhörter Ruf lautet: »iSeKema Hz- 5?eU« — Das ist das Große an diesem einfachen Bekenntnißworte, daß es zugleich ist ein Schmenens- und ein Siegesruf; daß sich in Demselben Jahrtäusende von Leiden zusammendrängen, die in der Einheit Gottes ihre Versöhnung finden. — -U5 Und so soll auch an uns, wenn wir hier das heilige »sekemabeten, die Erinnerung an die Leidensgeschichte Israels groß und erhaben herantreten, um jedem Abfall vom Bunde unserer Väter jS steuern. Und wie jene Söhne dem sterbenden Vater, so wollen wir unsern Vätern im Grabe das Gelübde erneuern, treu zu besyghren ihr heiliges Erbe und die Fahne, die sie uns sterbend eingehändigt, aufrecht zu erhalten, bis zu jenem Tage, wo alle Völker der' Erde mit uns anbeten den Herrn des Weltalls, „wo he? Ewige einjig sein wird, und sein Name: Einiger!" Und m piek taubgewordene Herzen der Unsrigen wollen, wir von hier aus recht laut das oSekenm« hineinrufen: »höre, auch du bist Kvs Israel; auch für dich haben die Vorfahren geblutet und gelitten. Tritt heran und bekenne mit den einzigen Gott und verkenne nicht die große Aufgabe unserer heiligen Gemeinschaft!" Und Das ist es, worauf ich, wie meine theueren Zuhörer wissen, immer besonders hingewiesen habe und stets hinweisen werde — das ist der vorzuglichste Zweck des gemeinsamen Gotteshauses für Israel in der jetzigen Zeit, daß es sei ein Sammelhaus unserer Zerstreueten, in die weltlichen Dinge leider schon zu sehr Verlornen; daß sie hier zum Bewußtsein kommen, ^. Israeliten Ll? sein, hier fort und fort erinnert werden an Israels erhabene Leidensgeschichte, aus welcher, wie aus der donnernden Wolke, Gottes mahnende Stimme zu uns so eindringlich spricht. Damm wenn wir auch aus unseren Gebeten so manchen schrillen Ton entfernt haben, wie er wohl in früheren Zeiten als nur zu gerechter Nothschrei aus den Herzen unserer Väter sich losgegangen, aber für unsre lichtvollen Tage im Gebet sich nicht mehr eignet, so haben wir doch mit dem Gefühle heiligster Schonung die Erinnerung an die Leiden unserer Väter gewahrt. Diese ist das - — Wehmuchsgefühl, welches durch alle unsere Gebete und Gesänge geht, welches sich durch alle Synagozen-Melodieen zieht und ihnen jenen anheimelnden Hauch verleiht, welcher auch auf das Herz des, der Shoagoge entfremdetem Israeliten noch mächtig einwirkt, wie ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.