Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 3 (März 1860)
- Date
- 1860-03-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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?K Berha»dlunAen des großen Rathes:c. :' Peklegrini sagtwenn ich bedenke, daß die Juden sich als das auserwählte Volk Gottes betrachten , sich darum?ck keinen andern Religionen vermischen und alle Tage noch in ihrer Synagoge für ihren Messias bitten, der sie von ihren Unterdrückern, den Heiden befreien soll, so bin ich über diesen Gegenstand einigermaßen im Zweifel. — Wenn ich aber betrachte, daß die lange Ausbleibung des Messias ihren Glauben an den Talmud allmählig vermindert, daß sie sich anheischig machen, im Bürgereid, der Sache der Gleichheit und Freiheit zu dienen, und allenfalls ihre religiösen Uebungen unsern Gesetzen aufzuopfern; wenn ich bedenke, daß sie bisher dem Naturrecht zuwider in einem Zustand der Unterdrückung unter den übrigen Völkern lebten, und daß also jene Bitte an Gott eine Art gerechter Rache ist, so stell! sich in mir das Gleichgewicht zur Untersuchung der Verhältnisse der Juden wieder her. ----------- Die Konstitution bestimmt, daß jeder in Helvetien Geborne, helvetischer Bürger sein soll; dies sind die Juden, welche schon Jahrhunderte lang im Kanton Baden ansässig find, also ist die Sache von selbst schon entschieden. Gesetzt aber, sie könnten die geforderten guten Zeugnisse nicht liefern, sollten sie noch Wucher vnd Betrug verüben und Gott um Befreiung von ihren Unterdrückern bitten, kann man ihnen dies wohl zur Last rechnen? Ich glaube nein! Denn überall waren bis jetzt die Juden der Ha? und Spott der Nationen, überall wurden sie mit Grausamkeit verfolgt und unterdrückt; wenn sie also Mittel fanden, sich verstellter Weise zu rächen, so haben sie nur eine Art Gegenww kung ausgeübt und nur weil sie sich als Gefangne, als Unterdrückte ansahen, glaubten sie keine moralische Verpflichtung gegen ihre Unterdrücker zu haben; hört also diese Unterdrückung, dieses Unrecht gegen sie auf, so wird auch diese Rückwirkung von ihrer Seite aufhören; gesetzt aber, sie würden ihrem Versprechen zuwider sich nicht nach unserer Verfassung, nach unseren Gesetzen fügen und unverbesserliche Menschen sein, so ist uns ja das Rech! immer vorbehalten, sie aus dem Lande zu verweisen. Laßt uns also die Stimme der Wahrheit und der Gerechtigkeit hören, und das Beispiel aller wiedergeboren Völker nachahmen, und also die Juden in unser Bürgerrecht aufnehmen! ' Escher gesteht, daß er die Juden, oder vielmehr die bisherige Lebensart und den Wandel derselben nicht liebe, also nicht mk Vorurtheil für sie spreche: allein, da es hier um politische Verhältnisse zu thun ist, so haben wir hauptsächlich die Konstitution darüber zu berathen; nun gibt diese im §. 19. allen ewigen und eingebornen Hintersassen das Bürgerrecht und die schweb Zwischen Judenfamilien sind schon seit Jahrhunderten in Helvetien,