Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 4 (April 1851)
- Date
- 1851-04-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die drei Worte. W und welche großen Fortschritte in den letzten Jahrhunderten in der Menschheit, in unserem durch Kunst und Wissenschaft so hoch« stehenden Vaterlande, und vor Allem in unserer Religionsgemeinde gemacht wurden, daran wollen wir uns erquicken, daran wollen wir uns stärken, und die Gewißheit soll uns mit siegjauchzendem Gefühle durchdringen: vorwärts, vorwärts geht's! Niemand vermag das Fortschreiten des Menschengeistes aufzuhalten! Ja, Israeliten, uns besonders möge am Pesachfeste, welches als Erlösungsfest für den Geist noch weit höher steht, denn als Befreiungsfest für den Leib, uns vor Allem möge heute, wenn wir in der geistigen Entwickelung unserer Glaubensgenossen mlr um hundert Jahre zurückgehen, die Erinnerung hoch die Seele schwellen. Ha, welcher mächtige, riesenmäßige Umschwung hat statt gefunden von jener Zeit an, da die neu verdeutschte Thora unseres Moses zu lesen Gegenstand der Verfolgung war in Israel, da man sich noch in die innersten Zimmer einsperren mußte, um ein „unheiliges Buch" zu lesen, oder nur deutsch lesen zu lernen, bis zu unseren Tagen, wo unsere hiesigen Brüder, welche der älteren Richtung folgen, in einem Schreiben an die Gemeindegenossen einen „den fortgeschrittenen Anforderungen der Zeit entsprechenden Gottesdienst" als Gegenstand ihres Strebens öffentlich aufgestellt haben! Und wir sollten verzagen? verzweifeln an Israel? an seiner Religion? an seinem Frieden? Tie Alten, die Solches aussprechen, sind das noch die Alten von vor hundert, von vor fünfzig, ja, nur von vor zehn Jahren? Hat die Kluft, scheinbar erweitert, sich im Geiste nicht bedeutend verengert? und wo den fortgeschrittenen Anforderungen der Zeit gehuldigt, eine heilige Berechtigung eingeräumt wird, können, müssen wir da nicht erwarten, daß aus dem Fortschritte eine Annäherung, aus der Annäherung einmal eine Einigung werden wird? Ja, lasset unS in der Erinnerung dessen, was da war, nicht verzweifeln an dem, was da ist, und nicht erschlaffen im Kainpfe für das, was da werden soll! Israel ist von der Neuzeit, namentlich auf religiösem Gebiete überrascht worden; es wurde, wie damals in Aegypten, aus den alten Zu-