Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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' Lver die Juden in Endingen zc. leute nur Möhr 'aufgeweckt. (Vergl. Spanien, wo man die Juden vertrieb, mit Holland, wo man sie aufnahm.— Red., 6) „Aber der Jude gibt schlechte Waare, übertölpelt betrügt!" Ich habe viel mit Juden zu thun gehabt und die Sache nicht so gefunden. Die Christen betrügen wohl eben so viel Und vst noch mehr. (Man murrt.) Ja, C. R., ich nehme meine Wor^e nicht zurück. Die Christen betrügen noch mehr, indem — sie die Juden um all ihre Menschenrechte betrügen! — Und dann laß ich mich nicht mit glatten Gemeinsprüchm abspeisen und finde es immer schwach und unlogisch, wenn man über eine game Menschenklasse so schaal und in so starken Ausdrücken absprechen will. Ich bleibe dabei, denn ich habe die gan;e Philosophie und Geschichte für mich. 7) „Mein wir handeln gegen die Politik, wenn wir die Juden den Bürgereid schwören lassen, wir handeln gegen den Willen unseres Volkes. Laßt uns dieses erst frei machen, ehe wir uns mit Fremden beschäftigen." Was die Politik betrifft, so kann und darf ich fie nicht berühren, sobald die Constitution mir befiehlt, daß jeder Fremde der;wan;ig Jahre lang in Helvetien gelebt hat, ein Bürger dieses Landes sein soll. Unter diesen Bedingnissen, werde ich jeden Menschen, er sei Heide, Türke, Hoitenioi oder Irokese als meinen Bruder und Mitbürger umarmen. Was nun den Willen unseres Volkes betrifft, dessen Stellvertreter wir hier sind, so lasse ich_ mir von demselben nicht imvoniren, so langes aufVorurtheile sich stützt. Es ist unsre Pflicht, seinen Willen so m leiten,' daß er nur die Wahrheit, das Gute wolle, und ich verlasse mich auf dieses Volk, daß Moralität und Menschenrechte ihm ewig heilig sein werden. V 8) Nun komme ich noch zu den. traurigsten Vorwürfen, die man den Juden gemacht hat. Nämlich: „sie seien keine Menschen, hatten kein Gewissen und seien unverbesserlich." — Wahrlich, es schmerzt mich tief in der Seele, daß ich solche harte, unmenschliche Worte in dieser Versammlung boren mußte? Wo ist der Mensch nicht Mensch? Wo hat er kein Gewissen? — Dieses verdient keiner Widerlegung! Ader das: sie wären unverbesserlich! Das ist stark. Ein Mensch sollte unverbesserlich sein! Gott sm Himmel? Wo und was wäre die Tugend, wenn man fie nicht erreichen könnte, wenn fie nicht anpassend wäre, jedem Herzen, das'fie sucht! Wo wäre der «och so verworfene Mensch, der nicht besser werden könnte, wenn man ihn belehrt und ihn auf den rechten Pfad weist? Unverbesserlich ist niSts in dieser Welt und jeder edle Mensch sollessiS zur heiligen Pflicht machen, seinen irrenden Bruder zu bessern. Fehlt