Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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prckrschen Anwendung auf israelitisch-religiösem Gebiete. t< Reformbeflissenen bezeichnen, welches aus einzelnen Äußerungen religiöser Autoritäten für die beabsichtigten vereinzelten Umbildungen Halt und Stütze suchte. Die vereinzelte Thatsache sollte ihre Berechtigung ilv den vereinzelten Anssprüchen anerkannter Autoritäten nachweisen. Es manifestirte sich in diesem Streben der Gedanke und das Bewußtsein , daß nicht aus den Anforderungen deStatsächlichen Lebens allein die Berechtigung zu Reformen hervorfließe, sondern daß noch ein anderes Moment hinzutreten müsse, n.imlich das, daß der umzubildende Gegenstand schon bei seinem Entstehen sich nicht als Produkt absolutreligiöser Notwendigkeit ankündigte, indem es Zeiten und maßgebende Meinungen gab, in und nach welchen der umzubildende Gegenstand in seiner jetzigen Gestaltung gar nicht vorhanden war und nicht vorhanden sein brauchte. In jenem Stadium war nun schon der Forschritt enthalten, daß den Anforderungen des praktischen Lebens, die für die große Menge und für oberflächliche Geister als ausreichendes Princip für Reformen galt, die Alleinherrschaft auf dem Reformgebiete entwunden wurde. Jene Anforderungen wurden nunmehr nur als Impuls , nicht als Rechtfertigungsprincip anerkannt. Es gab aber in jenem Stadium noch keinen grundlegenden Gedanken, aus welchem die Reform ohne speciellen Nachweis für das Einzelne ihre Berechtigung nachzuweisen vermochte. — Ein weiterer Schritt in dem Prozesse des Suchens nach einem Principe lag darin, daß der ganze Schriftkomplex, den wir unter dem Namen Talmud zusammenfassen, als ein Produkt der Progression erfaßt wurde. Der PharisäismuS, so sagte man, als dessen Geisteserzeugniß eben der Talmud in der ausgedehnten Bedeutung des Wortes erscheint, hatte die Progression oder das Reformelement zur Grundlage. Die damaligen Zeitzustände und Zeitbedürfnisse hätten viele Umbildungen im Leben mu? für das Leben verlangt, und zn Gunsten dieser Zeitzustänve und deren dringende Mahnung habe die pharisäische Schule Schriftdeutungen vorgenommen, vie eben den Zeitanschauungen und Zeitzuständen entsprangen und entsprachen. Der Talmud in ftiner Totalität gilt also als Zeugniß für^die Berech-