Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3129675-3129764-3129766--1425-3130048- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
O Rückblick auf das Zahr toöö. 3 gleichen, was die zweite Hälfte des vorigen bewirkt hatte, wo die Sonne versprach, im Norden gar nickt unterzugehen. Jemehr da die Schatten sich verlängern, desto weniger kann es Wunder nehmen, daß der Juden bürgerliches Recht mehr und mehr in Schatten gestellt wird. — Zn Bayern dagegen hat der Geist der Aufklärung und Humanität einen schönen Sieg davon getragen, indem die Volkskammer die Berechtigung der Juden zur aktiven und passiven Wahl als Volksvertreter in glänzender Weise aufrecht erhalten, und das Volk wieder einen Juden, und zwar aus einem nur aus Christen bestehenden Wahlbezirke gewählt hat. — Die SchVeiz mäkelt, wie ein knickeriger Handelsmann, immer noch an und mit den bürgerlichen Rechten ihrer judischen Angehörigen; das neueste Factum von dort, daß im Aanton Schaffhausen Christen einen Juden gewaltsam zur Quittirung einer unbezahlten Schuld zwangen — diese, an mittelalterliche Art und Weise erinnernde, gräuliche Erscheinung bietet den schlagendsten Beweis, wie sich das Rechlögefühl auch eines freien Volks nach der Behandlung bildet, welche für eine wehrlose Minorität aus der Ungleichheit vor dem Gesetze resultirt. — Frankreich, die heilige ^eburtSstätte der Gleichberechtigung für Alle, hat seine Söhne jüdischen Bekenntnisses mit gleicher Begeisterung ihr Blut für die Sache der Civilisation im Oriente vergießen sehen; sie werden auch für die Rechte ihrer GlaubenSbrüder nicht vergebens geblutet haben. — Zu Hause haben Juden auf verschiedenen Gebieten bürgerlicher Thätigkeit bei der Weltindustrie-Ausstellung verdiente Anerkennung geerndtet. — Auch von Rußland her dr^ng aus mitternächtigem Gewölke ein kleiner Schimmer des Lichts, es habe der neue Kaiser ein milderes Herz gegen seine schwergedrücklen Juden, als sein Vorgänger. Mögen die Friedensaussichten, welche die Welt erfreuen, in ihrer Bewährung auch jenen Funken Hoffnung für das Loos unserer tiefgebeugten Brüder in Rußland neubeleben! — Die mannichfaltige Roth der Brüder im Morgeulaude hat die Theilnahme der Israeliten nahe und fern lebhaft angeregt und ein neues Zeugniß gegeben, daß die elektrische Kette noch nicht zerrissen ist, welche ein jüdisches Herz aufzucken läßt, indem 1*