Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3129675-3129764-3129766--1423-3130046- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
(Januar 1856.) I. Rückblick auf das Jahr R»SS. Die Zeit eilt vorwärts; man meint, die Menschen eilten in demselben Maße, um wieder rückwärts zu kommen. Allein wenn die Zeit nicht umhin kann, bei ihrem Voranschreiten Vergangenheit zu werden, warum sollten am Enoe die retrograden Bestrebungen nicht gezwungen werden können, einer besseren Zukunft vorzuarbeiten? — Rückschrittsmänner werden unS beim Worte nehmen und einstimmen: „wie^die Zukunft Vergangenheit wird, so müsse die Vergangenheit wieder Zukunft werden und das Mittelalter sich reproduziren!" — Für unS ist es tröstlich, daß von Juden dieses unmöglich kann ernstlich gewünscht und gehofft werden. Die Verfinsterung unserer religiösen Zustände ging im Mittelalter mit der dicken Finsterniß. die über unseren bürgerlichen Zuständen lag, Hand in Hand. Auch die neueste Zeit lehrt, daß wo der Geist der Unduldsamkeit, die Monopolistrung eines bestimmten Glaubens wieder herrschend wird, die bürgerlichen Zustände der Juden sich trüben. Wir sehen also, daß die Sache des Lichtes und der Aufklärung auf religiösem Gebiete solidarisch verbunden ist milder heiligen Sache der Humanität und Gerechtigkeit auf bürgerlichem Gebiete. — Die Zudengasse ist ein zu wenig einladender Aufenthalt, als daß ein Zude das Mittelalter herbeiwünschen sollte; und so kommt er in VI. 1