Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Ueber die Gleichstellung der Juden bürger seien von der Religion, die sie bekennen, so gänzlich durchdrungen, daß sie lediglich von ihr im Leben sich leiten ließen, nur einen Tag lang in seiner Handlungsweise folgen würde, der würd^ vor Sonnenuntergang sein Vermögen eingebüßt haben. Und in der Wirklichkeit handelt auch Niemand nach dieser Voraussetzung, auch nur bei irgend einem der Alltagsgeschäfte, weder beim Ausborgen, noch beim Leihen, weder beim Einnoch beim Verkauf. Wenn aber irgend Einer unserer Nebenmenschen gedrückt werden soll, dann verhält es sich ganz anders, dann vertreten wir jene Beweggründe, die wir als ebenso schwach zum Guten, wie als allmächtig zum Bösen erkennen. Dann belasten wir unsere Opfer mit all den Lastern und Thorheiten, auf die ihre Lehren, wenn auch noch so entfernt, hinzuzuzielen scheinen. Wir vergessen, daß die nämliche Schwäche, die nämliche Schlaffheit, der nämliche Trieb, das Zunächstliegende dem Fernliegenden vorzuziehen, wodurch oft die Menschen schlechter werden, als es ihre gute Religion will, sie auch hinwiederum zu besserer Handlungsweise veranlaßt, als es nach ihrer schlechten Religion zu erwarten ist. Auf gleiche Weise urtheilten unsere Voreltern über die Katholiken, ja manche thun es noch heutigen Tags. Ein Papist hält sich für verpflichtet, dem Papste zu gehorchen. Der Papst erließ gegen die Königin Elisabeth eine Absetzungsbulle; folglich wird jeder Papist ihre Majestät als widerrechtlich zum Throne gelangt betrachten; folglich ist jeder Papist ein Verräther; folglich sollte jeder Papist gehängt, gefoltert und geviertheilt werden! Solcher Logik verdanken wir einige der gehässigsten Gesetze, die immer unserer Geschichte zur größten Unehre gereichen. Die Antwort liegt wahrlich auf der Hand. Roms Kirche kann den ihrigen befohlen haben, die Königin als unrechtmäßig zu betrachten. Aber sie hat ihnen noch manche andere Pflicht auferlegt, die sie doch nie erfüllten. Sie verpflichtet ihre Geistlichen zur strengsten Keuschheit, während man sie stets wegen ihrer Ausschweifungen verhöhnt. Sie legt ihren Anhängern öftere Fasten, Mildthätigkeit gegen Armen