Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 14 (1922)
- Issue
- Heft 7 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
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bewirkt urch wirkt weiter; denn er hat seinen Glaubensgenossen gezeigt, daß man Jude und Deutscher Zugleich sein kann; und dazu will er auch das heranwachserLe Geschlecht erziehen. Ja, liebe Freurcke, Verbesserung des Unterrichts und Empfehlung der deutschen Muttersprache ist, We wir alle wissen, sein Lieblingsthema. Und. ich will es nicht verschweigen, der Plan zu der vor sechs Jahren von mir gegründeten ..Freischule" ist nach unseres verehrten Mendelssohns Angabe entworfen. Mehr von dieser Schule zu sagen, wäre Selbstlob. E u ch e l: Seitles wahren Verdienstes darf sich jeder rühmen, ob es gleich nicht iedernranns Sache ist, sich selbst Pr rühmen. Aber Ihr Verdienst bleibt es, daß Sie im Geiste unseres verehrten Meisters gehandelt, und das Verdienst des Meisters: Sie dazu begeistert haben. Herz H o m b e x q : Es ist kein Zweifel: Dadurch, daß ein geordneter Ingendunterricht erteilt wird, in -velck-em die deutsche Sprache zur Grundlage des Unterrichts gemacht ist, und der Pentateuch in reiner deutscher Sprache gelesen werden kann, und nicht in dem Kauderwelsch der ungebildeten, unsauberen, polnischen Schulhalter behandelt wird, wird ein neues, von Kultur erleuchtetes Geschlecht hevanwachsen, das Sinn für nützliche bürgerliche Tätigkeit, für Teilnahme am Leben im Staate, in Klmst und Wissenschaft hat. Und das ist das Verdienst urrsereS teuren Borsitzelchen, der durch die Bibelübersetzung den Juden die deutsche Sprache Kiedergeqebenhat. Mendelssohn:*) Nach denr ersten Plane meines Lebens, so wie ich ihn in meinen besseren Jahren entwarf, war ich weit entfernt, jemals ein Bibelherausgeber oder -Uebersetzer zu werden. Ich wollte mich blök darauf einschränket:, des Tages seidene Zeuge verfertigen zu lassen und in Nebenstunden der Philosophie einige Liebkosungen vbzugewinnen. Es hat aber der Vorsehung gefallen, mich einen ganz anderen Weg zu führen. Ich verlor, infolge der Lavater'schen Zudringlichkeit, die Fähigkeit zu meditieren und mit ihr anfangs den grössten Teil meiner Zufriedenheit. Nach einiger Untersuchung fand ich. daß der Ueberrest meiner Kräfte noch hinreichen könne, meinen Kindern und vielleicht einem ansehnlichen Teile meiner Natron einen guten Dienst zu erzeigen, wenn ich ihnen eine bessere Uebersetzung und Erklärung der heiligen Bücher in die Hände gebe, als sie bisher gehabt. Dieses ist der erste Schritt zur Kultur, von welcher meine Nation leider! in solcher Entfernung gehalten wird, daß man an der Möglichkeit einer Verbesserung beinahe verzlveifeln möchte. Ich 'hielt mich indessen für verbunden. das wenige zu tun, was in meinen: Vermögen steht und das Uebrige der Vorsehung zu überlassen, bie sich zur Ausführung ihres Plans mehrenteils n:ehr Zeit nimmt, als wir übersehen können. Wessely: Das Wenige! Ich wäre zufrieden, tvenn mir die Vorsehung vergönnte, nur einen Teil dessen zu tun, was unser bewundernswerter Freund und Lehrer bereits getan hat. Meine lieben Freunde, vergessen wir nicht noch ein anderes: Durch sein Vorbild und seine Leistungen als Philosoph und glänzertder Schriftsteller hat Herr Mendelssohn uneMich viel dazu beigetragen, da st die Juden in der Achtung ihrer christlichen Mitbürger gestiegen sind. *) Mendelssohns eigene Worte in einen: Briefe an Hennings. F riedländer: Er hat seinen Glaubensgenossen Achtung verschafft dadurch, datz er selber Achtung bei hoch und niedrig genießt. Wissen wir doch alle, wie es nur eines Wortes von ihm bedurft«, um von den bedrängten Juden in der Schweiz, in Sachsen, in Königsberg das drohende Unheil abzuwenden. Mendelssohn: Lobt mich, so viel Ihr wollt —^ und damit komme ich auf den Anfang unseres Gesprächs zurück — mein „Jerusalem" hat nicht den allgemeinen Beifall gefunden, den ich erwarten durfte, iveder bei den Juden, noch bei den Christen, und das verdrießt mich. Dr. Herz: Geliebter. Verehrter! Nur diejenigen Leser sind unzufrieden, die Sie rnißverstanden haben, oder die sich der Wahrheit Ihrer Ausführungen absichtlich verschließen. Ich kann nur wiederholen, was ich schon vorhin gesagt habe: was Sie über die Grenzen der staatlichen und kirchlichen Macht entwickelt haben, nmß und wird, früher oder später, auch die Emanzipation der Juden herbeiführen, und unsere Enkel lverden Sie segnen. Mendelssohn: Was Sie, mein lieber Hofrat, da prophezeien, mag Gott hören und in Erfüllung gehen lassen; ich selbst werde es jedenfalls nicht mehr erleben. Sollte ich mit meinen schwachen Kräften einige Anregungen gegeben haben, so will ich Gott dafür danken. Ich kann es mcht gerade hoch anschlagen. Wohl ist manches in unserer Religion rnenschlicher Zusatz, das ihren Glanz verdunkelt — welche Religion wäre davon frei? Manchen Mißbrauch wünschte ich abgeschafft, aber erst verrmttelst der Kultur tmb der durch sie vermittelten Aufklärung, nicht durch einen Federstrich. Deshalb habe ich mich immer zurückhaltend gezeigt; was ich nicht getan habe, das wird die fortschreitende Kiütur tun. Ich begnüge mich bannt, meinen Glaubensgenossen die deutsche Spruche wiedergegeben zn haben, um sie in das allgemeine Kulturleben einzufühven. Dr. Herz: Dieses Verdienst bleibt Ihnen in Ewigkeit. Mendelssohn: Die Aussicht in die Zukunft, der man vertrarren muß. hat mich ein wenig von meinem Mißmut abgelenkt, und das danke ich Ihnen, rneine Herren! (Sich erhebend.) Nun aber wird es Zeit, uns zum Abendgottesdienste zu bereite«. Sie wissen ja, daß ich die alten Formen unserer Religion getreulich wahre. Friedländer: Wir wisse:: es! (Alle folgen Mendelssohn.) * * * Mit diesem szenischen Bilde schließe ich die Reihe der seit 1910 gelieferten Bilder. Je weirer zuruck, desto freisinnigeren Anschauungen sind wir in ihnen begegnet; was die vorgeführten Männer sprechen, siird etweder ihre eigenen Worte, oder Worte in ihrem Sinne und könnten heute gesprochen sein. . Die Bilder eignen sich sehr gut zur Vorlesung oder Aufführung bei festlicher Gelegenheit, z. B. ick Jugendvereinen. Ich hätte nun gern zwecks _ weiterer Verbreituidg die 6 Bilder in e>inem Büchlein bereinigt; aber die großen Herstellungskosten schrecken den Verleger ab: wird es mich genug Käufer finden? Ich möchte es hoffen. Wer nun zu diesen Käufern zu gehören wünscht, den bitte ich, seine Absicht Herrn Rabb. Dr. Seligmann. Frankfurt a. M, Friedrichstrcrße 29 (oder mir, Wiese nau 18) mitzuteile«. Vielleicht ermutigt die Anzahl der Käufer den Verleger. K u t 1 n e r. Druck und Kommissionsverlag: Th. Schahky, Buchdruckerei und Verlagsanstalt. G. m. b. H., Breslau m. Neue Graupenstrafre b.