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Liberales Judentum · 1921-10-01 · Heft 10-12 (Oktober 1921) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 10-12 (Oktober 1921)
Date
1921-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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liberales Judentum monatsfdirift für die religiöse Erneuerung des Judentum ' herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Oeuffchland unter der Schriftleitung von Or. Caefar Seligmann, Rabbiner in frankfurt a. M. Ho. 10-12. Jahrgang 13. Oktober bis Dezember 192 h Zum Chanucka-feTte. Von Dr. C. Seligmann-Frankfurt a. M. „Was bedeutet Chanucka?" so wird im Talmud einmal gefragt. Die Antwort lautet:. Am 25. des Monats Kislev beginnt das Fest und dauert acht Tage, an denen man keine Klage anstimmen und nicht fasten darf. Denn als die Griechen in den Tempel eindrangen, verunreinigten sie alles geweihte Oel im Tempel. Die Hasmonäerfürsten aber rafften sich auf und trugen den Sieg über die Griechen davon. Als man dann den Tempel durchsuchte, fand sich nur noch. ein einziges Krüglein mit geweihtem Oel, welches mit dem hohenpriesterlichen Siegel verschlossen war,- aber in dem Krüglein war nur Oel für einen Tag. Da geschah ein Wunder: das Oel reichte für acht Tage aus. Deswegen wurde im nächsten Jahre festgesetzt, daß man diese acht Tage als Festtage feiere. Das ist Chanucka. Sonderbare Antwort! Mehr wußten die alten Rabbiner nicht von der Bedeutung des Chanuckafestes zu erzählen als dieses Märchen vom wunderbaren Oelkrüglein, das, ähnlich wie der Oelkrug des Propheten Elia, nicht alle ward? Bon allen anderen Festen weiß der Talmud recht ausführlich zu erzählen. Nicht nur die großen Feste Roschhäschana und Iomkippur, Pesach, Schabuoth und Sukkoth, sondern auch Purim und die Fasttage werden ausführlich in großen besonderen Abschnitten vom Talmud behandelt; nur für Chanucka hat der große Talmud kein besonderes Kapitel, ja, nicht einmal eine ganze Seite aufseinen nahezu 6008 Folioseiten. Und doch ist die Erinnerung, die das Chanuckafest in uns wachrust, die bedeutungsvollste jüdische Erinnerung seit dem Auszug aus Aegypten und der Sinaioffenbarung. Ja, sie ist nicht nur eine der weittragendsten jüdischen, sondern weltgeschichtlichen Erinnerungen. Chanucka ist der Sieg des Monotheismus über den Polytheismus, der Sieg des jüdischen Gottesglaubens und der jüdischen Sittlichkeit über griechischen Götterglauben und griechische Zügellosigkeit. Ohne Chanucka, ohne tzasmonäerkantpf, ohne Juda, den Makkabäer — wie sähe die Weltgeschichte wohl aus? Wer vermöchte das auszudenken? Das eine aber ist sicher: Es gäbe ohne Chanuckr heute kein Judentum und darum auch kein Christentum und keinen Islam. Und von dieser weltgeschichtlichen Bedeutung des Chanuckafestes wußten die weisen Rabbiner des Talmud nichts? Worin liegt die Erklärung für diese merkwürdige Tatsache? Manche Gelehrte meinen, das Chanuckafest sei im alten Israel wie eine Art dynastischen Festes der hasmonäischen Königsfamilie angesehen und gefeiert worden. AE aber die späteren tzasmonäerfürsten sich feindselig gegen die Rabbiner und die von ihnen verttetene Volksrichtung (den Pharisäismus) erwiesen, habe man innerhalb dieser Kreise von den tzasmonäern nichts mehr wissen wollen, und so seien sie, ihre Namen wie ihre Taten, allmählich in Vergessenheit geraten. Das ist aber eine gesuchte Erklärung. In Wahrheit liegt der Grund für die geringe

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