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Liberales Judentum · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 43

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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Dr. 'Iaeob-Dortlyund: Schristforschung und Erbauung an einer Probe 43 nachder Heimat erwidert er: „Ich bin ein Hebräer." Auf die Frage nach dem Beruf aber antwortet er: „Ich verehre den Ewigen." In der Tat, das ist. der Beruf, die Bestimmung, die Aufgabe, die Sendung des Judentums, und das mithin der Beruf und die Aufgabe eines jeden unter seinem Bekennern, den Ewigen zu verehren, über den Wert und den Sinn des Lebens nachzusinnen, unfern Wandel zu heiligen und durch unser Vorbild beglückend und beseligend zu wirken auf alle Völker der Er d e. Erfüllen wir diese unsere Bestimmung? O wie weit sind wir bisher hinter unserer Aufgabe zurückgeblieben! Wir gehen meistens ganz in unserer Erwerbstätigkeit auf und denken nicht daran, daß unserm Stamm die schwere Aufgabe, aber auch die große Auszeichnung geworden ist, für andere Stämme der Völkerfamilie ein Vorbild abzugeben. Der Versöhnungstag aber soll uns anregen, daß wir uns auf uns selbst besinnen und auf das Los, das Gott uns zuerteilt hat. Am Versöhnungstag wollen wir der beglückenden Verheißung an Abraham lauschen: „Durch dich sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde/' und wollen uns der gewaltigen Aufgabe freuen, die uns am Sinai gegeben worden ist, ein auserwähltes Volk zu sein, ein-heiliges Volk, ein Priestervolk. Gewiß, eine solche Aufgabe läßt sich nicht in Jahren und Jahrzehnten lösen. Aber arbeiten müssen wir an unserer Aufgabe ohne Unterlaß und dürfen nicht ermüden und ermatten. Keiner von uns darf zurückstehen, keiner sich ausschließen aus der Gesamtheit, keiner denken: „es geht auch ohne mein Hin-, zutun". Ein jeder von uns muß die ganze Schwere rer Verantwortung begreifen, die aus ihm ruht. Ein jeder von uns muß sich vor Augen halten, daß er ein Nachkomme Abrahams ist, daß er abstammt von jenem Geschlecht, das einst am Sinai gestanden hat? Dann wird es über das Wesen unseres Judentums kein Mißverständnis mehr geben, dann wird sein Wesen begriffen werden vou Freund und Feind. Schriftforfchung und Erbauung Von Rabbiner Dr. FaKob-Dortmund. Die Predigt als Belehrung und Erbauung der Gemeinde ist in Israel aus der Schriftforschung hervorgegangen. Beide werden durch dasselbe Wort Midrasch bezeichnet. Der Prediger war ein Schriftforscher. Er kam in die Synagoge aus dem Lehrhaus. Das Beth ha- Midrasch und das Beth ha-kenesses waren unter Einem Dache. Die,e Einheit ist in dem Wesen der heiligen Schrift selbst begründet. Denn sie ist selbst bereits in erbaulicher Absicht geschrieben. Niemals wird sie völlig verstanden werden, wenn sie nicht - in diesem Sinne erforscht wird. Und da-diese Erbauung aus dem tiefsten und reinsten Quell entspringt, so bedarf es keiner Künstelei und Gewaltsamkeit, keiner geistreichen Verrenkung und Modernisierung des Schriftwortes, um aus ihm die edelste Erbauung zu gewinnen, Daraus ergibt sich: Niemand kann ein jüdischer Prediger sein, der nicht, zugleich ein Schriftforscher ist, der sich nicht in ihren Urtext und wahren Sinn versenkt, sei es an der Hand früherer Schriftan einer probe. forscher, sei es in eigener Forschung. Der unwissende und unwissenschaftliche Redner auf einer jüdischen Kanzel ist noch kein jüdischer Prediger. Und zweitens ergibt sich: Die tiefste Erbauung ist eine ausschöpfende Exegese. Der beste Drasch ist der Pschat. Nicht eine grammatische Wortklauberei, die beim Buchstaben stehen bleibt, sondern eine Deutung, die bis zum letzten Sinn zu dringen sucht. Dafür möge in folgender Betrachtung» die am besten für den Versöhnungstag geeignet sein dürfte, an einem Versuch eine Probe gegeben werden. Die Sünde Moses. Wir lesen im 20. Kapitel des 4. Buches Mose, als das Volk Israel in der Wüste Durst litt und wieder einmal gegen Mose und Ahron murrte, folgende Verse: „Und Gott redete zu Mose also: nimm den 'Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Ahron und redet zu

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