Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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monatsfdirift für die religiöse Erneuerung des Judentum herausgegeben von dec Vereinigung für das liberale Judentum ln veutkctiland unter der Sdiriftleitung oon Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt o.M. No. 4—6. Jahrgang 13. Rpr 1 bis Juni 1921. Rabbiner Professor Dr. Philipp zu Die so seltene und nur wenigen bevorzugten Sterblichen vergönnte Feier des 80ten Geburtstags gibt uns die freudig begrüßte Gelegenheit, unfern Gefühlen dankbarer und herzlicher Verehrung für den von der Vorsehung so sichtbar gesegneten Jubilar Ausdruck zu verleihen. Eine Zierde seines Standes, ein Stolz des' liberalen Judentums, ein warmherziger, tiefreligiöser Mensch voll Vornehmheit der Gesinnung, voll Schlichtheit und Wahrhaftigkeit, voll Güte und sonnigen Humors, maßvoll und voll abgeklärter Weisheit, . hat Philipp Bloch seines Wesens'Bild mit liebenswürdigen Zügen in die Seele seiner Freunde geprägt und seinen Namen als wissenschaftlicher Forscher und fruchtbarer Gelehrter in die Geschichtsbücher des jüdischen Volkes eingetragen. Jüdische Geschichte, Religionsphilosophie, Kabbala und die Agada sind die Hauptgebiete seiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit. Auf jedem dieser Gebiete schuf er wertvolles und weithin anerkanntes. Seine Gelehrtenpersönlichkeit entspricht dem Bilde antiken jüdischen Gelehrtentums: stille rastlose Arbeit, geistige Schaffensfreude utn ihrer selbst willen, selbstlose Hingebung, äußere Anspruchslosigkeit, unbedingte, peinliche Zuverlässigkeit und intellektuelle Gewissenhaftigkeit. Tiefes und umfangreiches jübloch seinem achtzigsten öeburtstag. disches und allgemeines Wissen paart' sich in ihm mit Scharfsinn, Geist und klarem Urteil. Meister philologischer Kleinarbeit vereint er damit die Kraft der Synthese, die Kunst zusammenfassender systematischer Darstellung. Uns liberalen Rabbinern ist er seit dem Tode Vogelsteins-Stettin geistiger Führer geworden. Als er von seinem Amt zurücktrat, durften wir ihn, unter dem jubelnden Beifall aller zur Frankfurter Versammlung Erschienenen, als Ehrenvorsitzenden der Vereinigung der liberalen Rabbiner begrüßen'. Fast 50 Jahre wirkte er vorbildlich und rastlos schaffend in Posen, wo er seiner Brüdergemeinde ein Führer und Vater war. Durch ihn erhielt seine Gemeinde ihre geistige Bedeutung. Politische Not zwang ihn vor 3/4 Jahren seine Wirkungsstätte zu verlassen. Seitdem wohnt er in Berlin im Kreise liebender Kinder, sorgsam umhegt von seiner lieben Frau, die ihm eine treue, liebevolle, geistig hochstehende Gefährtin durch ein langes gottgesegnetes Leben gewesen. Möge es dem verehrten Freunde durch die Gnade der Vorsehung beschieden sein, während eines ungetrübten, schönen Lebensabends, umgeben von der Liebe der Seinen» in der ganzen hohen Geistesfrische und körperlichen Kraft, die wir an ihm bewundern, die Ernte eines reichen Lebens zu'genießen. -