Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 1 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau: Palästina-Mandat 15 Und lächerliche Tragik der Täuflingswirtschaft, die innere Hohlheit eines indifferenten Scheins liberalismus, die groteske Verknöcherung der ä tout-prix-Orthodoxie, die Verkommenheit ostjüdischen Schnorrertums aä maiorem gloriam eines selbstbewußten Zionismus satirisch schildert, ob Isaac Breuer in einem gedankenreichen und tiefen aber schlecht komponierten werk^) seinen Helden Heinrich Thorning den schweren weg aus der Selbstverständlichkeit eines altfrommen Hauses durch die zermürbenden Kämpfe eines Lebens kn dev modernen Zivilisation, durch die immer erneuten Kämpfe „zwischen Seele und Ichheit" hindurch, zum Abfall von Gott, von Gottes Recht und Religion, zum glühenden jüdischen Rationalismus, zum Zweifel und zur Verzweiflung und endlich in der Todesstunde zürn mystischen Schauen des — ach so sehr konstruierten!— Zieles, des thoratreuen, göttlichen Israelreiches auf palästinensischen 24) Ein Kampf um Gott. Roman. Von I s a a c Breuer. Sänger u. Friedberg Verlag. Frankfurt am Main 1920. Boden führt, ob A r n o 'N a d e l in sieben biblischen Szenen^) das Erwachen der Sinnenliebe zwischen Adam und Eva, die Gottesentdeckung. Abrahams, das Sterben Rahels, der gebärenden Mutter, die Berufung Moses, den Kampf Samuels mit dem abtrünnigen Volk um die Königswahl, die liebliche Menschlichkeit Ruths und die Verzweiflung des 'Gottverleugners Jona formschön und bald meisterhaft, zupackend, mitreißend, bald unter der Vorherrschaft seines Intellekts in der visionären Kraft versagend zu gestalten sucht — immer verstimmt den feiner Empfindenden die herausgefühlte Absicht. - Unser Ueberblick zeigt, daß parteipolitik noch allzusehr das Feld beherrscht, weder der Kunst noch der Wissenschaft reine Höhe ward erreicht. Allzuzeitliches drängt sich überall vor. Nur die Hoffnung bleibt, daß es dem Judentum gelingen möge, wie einst, Worte" und Werke der' Ewigkeit zu schaffen. ___ D r. Erwin S e! i g m a n n. 25) Der Sündenfall. Sieben biblische Szenen von Arno Nadel. Jüdischer Verlag Berlin 1920. Rundfchau. Das große weltpolitische Ereignis in der Geschichte der Juden seit Beginn dieses Kalenderjahres ist das englische Palästina-Mandat, dessen Entwurf vom „J e w i s h C h r onicle“ am H. Februar veröffentlicht wurde, das aber noch der Genehmigung durch den Rat des Völkerbundes bedarf. In jedem Fall aber hat die Iudenheit der ganzen Welt, auch die nichtzionistische, zu diesem welthistorischen Dokument Stellung zu nehmen.. In'der Einleitung zu dem Mandatsentwurf heißt es, daß nachdem durch den Friedensvertrag von 8evres die Türkei auf alle Rechte und Ansprüche auf Palästina verzichtet habe, nunmehr die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina verwirklicht werden solle, womit die Anerkennung ^der geschichtlichen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina festgestellt werde. Aus den 27 Artikeln der Ausführivigsb estimmüngen sei hervorgehoben, daß England als Beauftragter des Völkerbundes die Verantwortung dafür übernimmt, daß Palästina politisch, administrativ und wirtschaftlich auf solche Grundlagen gestellt wird, daß die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte unter Wahrung der bürgerlichen und religiösen Rechte aller Bewohner des Landes ohne Unterschied der Rasse und'Religion gesichert sei. Die Zionistische Organisation soll vorläufig als jüdische Vertretung („Jewish Agency“) für alle palästinensischen Angelegenheiten anerkannt werden; sie soll sich die M i t - arbeitaller Juden zu sichern.bemühen, die bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte helfen wollen. Als offizielle Sprachen Palästinas sollen Englisch, Arabisch und' Hebräisch anerkannt werden. DieFeier- Lage der verschiedenen Religionsgesellschaften in Palästina sollen als gesetzliche Ruhetage für die Mitglieder dieser Gemeinschaften anerkannt werden. Die erste große öffentliche Stellungnahme von nichtzionistischer Seite zu der neuesten Phase der Palästinafrage erfolgte vonseiten des Vorsitzenden der neutralen jüdischen Iugendverbände Deutschlands, Rechtst anmalt D r. A p f e l. Er trat dafür ein, daß das deutsche Judentum in großzügiger weise bei der Aufbringung der Geldmittel