Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 1 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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. Dr. Erwin Seligmann: Bücherschau LI Zwsifel an Gott nie hätte empfinden und aussxrechen können, wenn er nicht Gott mehr aus Furcht als aus Liebe gedient hätte.; - In einem Punkte aber regt nun das Buch Über das rein religiöse Thema Hinauszu einem Nachdenken an. Unbedingt ist es richtig, daß das Irrationale im Religiösen stärker zu beachten ist, daß wir uns immer wieder darauf besinnen müssen, daß alle Religion mit ihm stärker zusammenhängt als mit dem verstandesmäßigen. Ts ist za auch kein Zufall, daß solch ein Buch heute geschrieben wurde, leben wir doch in einer Epoche des Irrationalen. Das Gedanken- und Gefühlsleben der Menschen geht in merkwürdigen Wellenbewer gungen, nach Iahrzehnten eines angespannten Intellektualismus schlägt man ins Gegenteil um, .hat alles verstandesmäßige reichlich satt und besinnt sich wieder auf das Recht des Gefühls, vieles an unserer Zeit und im Iudentum ist irrational. Irrational ist das ganze, Gott sei dank, stark erwachende Begehren der Iugend^nach jüdischem Missen und jüdischen Werten, irrational das neu aufkeimende Interesse an der hebräischen Sprache, irrational der ausgesprochen positive Zug, der erfreulicherweise durch das Iudentum geht und der sich offenbart sowohl in dem Ringen des liberalen Judentums um eine Miedergeburt und Neugestaltung des religiösen Lebens, als auch in dem Kampf des konservativen Iudentums um Erhaltung und stärkere Gestaltung der alten Merte, und dessen andere Seite der Zionismus ist. Nun ist aber alles Seelenleben unter sich verbunden, ist man in einem Bezirk der Seele irrational gerichtet, so wird man es in anderen auch. Und jetzt erwäge man, daß der letzte Ausläufer des Irrationalen der Nationalismus, das Rassenbewußtsein und die Rasenwertung ist, daß alle Spannungen unserer Tage im letzten Grunde auf ein Irrationales zurückgehen, und daß. das alles vom Religiösen und Sittlichen unendlich weit entfernt und ihm oft strikt entgegengesetzt ist. Das Irrationale muß also seine Grenzen haben. Für das Religiöse betont daher Otto selbst auch den Mert des Rationalen. Darüber hinaus aber wird man angeregt durch das Buch zu Folgendem kommen müssen: Not tut uns allerdings eine stärkere Berücksichtigung des Irrationalen im Religiösen, aber es muß und soll von Einfang an eine Grenze haben. In allem Seelenleben müssen wir unausgesetzt das Irrationale mit dem verstandesmäßigen ins Gleichgewicht bringen, beide haben ihr Recht, beide kämpfen um unsere Seele, und eines muß das andere überwachen und ergänzen. Und das in jedem wachen Moment und jeder Entscheidungsstunde neu beginnende Suchen nach dem Recht beider und ihrem Ausgleich ist der Meg zur Frömmigkeit und zur Harmonie des frommen Gefühls und der sittlichen Tat. Lüäieääiau. , Die Iudenfrage in allen Verzweigungen und Schattierungen, Iudentum in Hunderlsachen Kombinationen ist das unerschöpfliche Thema der Uns vorliegenden literarischen Veröffentlichungen. Sobald unser Kampf ums Leben an Schärfe und Intensität nur ein wenig verliert, setzt mit umso größerer Erbitterung der Kampf ums Mort ein und' nimmt sich wichtiger als jener. Vielzuviel wird ,chber" die jüdischen Dinge geschrieben und gesprochen, statt das Iudentum selbst durch die Mucht seiner geistigen Schöpfungen wirken zu lassen. Indische Renaissance läßt sich nicht proklamieren, sie entsteht aus der imnfer wieder erneuten lebendigen Tat. Damit soll nicht gesagt sein, daß alles Geschriebene wertlos und überflüssig sei, gewiß findet sich manches güte Mort, wird mancher Kulturwert geschaffen. — Und so mag auch ein rascher Ueberblick sich lohnen^» Eines Merkes fei zunächst gedacht, das weit über dem Durchschnitt stehend, parteilos und weise die brennendsten Zeitfragen im Licht jüdischer Lebensanschauungch zu betrachten unternimmt. Der feinsinnige Dozent am Breslauer Seminar, Dr. cheinemann, untersucht die unsere Zeit aufwühlenden Probleme: Militarismus oder Pazifismus; Gott esgna dentum oder Volkssouveränität; die soziale, die Frauen-, die Er ziehungsfragen von dem Lwigkeitsstandpunkt der jüdischen Religion und x) Zeitfragen im Lichte jüdischer Lsbensanschau» ung. Fünf Vorträge von Dr. I. Heinemann. I. Kauffmann Verlag Frankfurt a. M. 1921/