Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 1 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ITlonatsfdirift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben, oon der * Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffchland unter der Redaktion van vr. Caefar Seligmann, Rabbiner in frankfurt a. M. Ho. 1. Jahrgang 13. Hlärz 1921. Religion, nicht Politik. Äon Dr. Max Freudenthal. eligion, nicht j)oli1ik muß Aufgabe, Ziel und Methode des jüdischen Liberalismus fein. Die liberale. Bewegung ist eine rein religiöse und muß eine rein religiöse bleiben. Sie beruht auf der Erkenntnis einer ständigen Entwicklung der Dinge, die auch vor dem Gebiet der Religion nicht Halt macht. Sie stützt sich auf die Offenbarungen des Göttlichen im Menschen Herzen und Menschen g e i st e, die immer lebendig bleiben, und verlangt, daß aus ihnen heraus auch die Offenbarungen in der Menschen g e s ch ich t e beurteilt und' begriffen, nicht über in blindem Autoritätsglauben chingenonnnen werden. Sie will das alte Problem der Vereinigung von Glauben und Wissen, für dessen Lösung sich die besten Geister Israels seit jeher eingesetzt haben, in modernem Sinne fortgeführt'und heute ebenso zu harmonischem Spruch geführt sehen wie von jenen Männern in der Vergangenheit. Das alles hat mit Politik nicht das Geringste zy tun. Jede Hineinziehung politischer Strebungen, jede Anrufung politischer Instanzen für. solche Ideen, jedes Liebäugeln mit politischen Mächten und Methoden zur Durchsetzung einer religiösen Weltanschauung must unterbleiben. Ueberlassen wir solche Abirrungen den Gegnern des religiösen Liberalismus, die davon seit jeher reichen Gebrauch -gemacht hüben! Der Gedanke, der in Breslau aufgetaucht war> die Staatsregierung in den Kampf um die jüdische Volksschule hineinzuziehen, ist glücklicherweise nicht zur Ausführung gelangt; sie wäre der liberalen Idee zuwider gewesen. Vonseiten der Gegner liegt natürlich kein Anlaß vor, sich darüber besonders zu erregen. Seitdem Jona Gerundi die Harmonisierung von Glauben und wissen, die Moses Maimonides im More Nebuchim versucht hatte, als staats- und kirchengefährlich den Dominikanern denunziert und mtt deren Hülfe das glänzende philosophische Meisterwerk . dem Scheiterhaufen überliefert hat, haben die versuche mit politischen Mitteln aller Art auch im Judentum die freie Bewegung und Entwicklung in religiösen Dingen totzumachen nie aufgehört. Noch im Streite um die Richtlinien vor wenigen Jahren hat es an Denunziationen und Denunzicttiönchen bei staatlichen, kirchlichen und gemeindlichen Stellen vonseiten der Richtliniengegner nicht . gefehlt. Der neue Staat lehnt es wenigstens grundsätzlich ab, sich in innerkirchliche Angelegenheiten einzumischen. Die religiös-politische Mache und Aufmachung geht aber weiter. In . Bayern hat sich jetzt gelegentlich der Organisationsbestrebungen innerhalb der Iudenschaft eine eigene Partei gebildet, die nach durchsichtigem polttischen Muster den Namen Jüdische Volkspartei tragt. Zionisten und Orthodoxe sind gemeinsam ihre Begründer und Führer. In den politischen Blättern preist sich die neue Partei als eine Sammekxartei auch für die Liberalen an; da zu ihrem Programm die Erhaltung der Einrichtungen des überlieferten Judentums gehört und sie sofort eine heftige und rücksichtslose Fehde gegen die liberale Richtung eröffnet hat, ist selbst für den friedlichsten Liberalen klar, daß sie alles eher als einen Sammlungsblock dar^ stellt/ Ob es überhaupt nöttg war, in unserer