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Liberales Judentum · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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monafsfdtriff für die religiösen Interellen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion non Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in frankfurt a. M. No, Z und 4. Jahrgang 12. IHärz u. Hpril 1920. Forderungen der Gegenroort. Von Joseph Kauffmann-Berlin-Weißensee. as „liberale Judentum" und das „gesetzestreue Judentum" gehen in ihren Anschauungen über die ewigen Wahrheiten unserer Religion und ihre sittlichen Grundgebote überein; sie trennen sich in den Ansichten über diejenigen Glaubenssätze, die das liberale , Judentum „geschichtlich bedingte Glaub ensvorftellungen und Lrscheinungsformen" nennt, während das gefetzestreue Judentum behauptet, diese Satzungen seien ein integrierend er Teil unserer Religion, am Sinai offenbart, erkennt das liberale Judentum nur eine fortgeschrittene und weiterschrei-- tende Entwicklung an. Ls will jeder Zeit das Recht 'und die Pflicht geben, solche geschichtlich bedingte Glaubensvorstellungen und Erscheinungsformen weiter zu entwickeln, unzeitgemäße aufzugeben oder neue aufzustellen, sofern die ewigen Wahrheiten und. sittlichen Grundgebote der Religion gewahrt bleiben. Das gesetzestreue Judentum steht dagegen auf dem Standpunkt, daß, nach Abschluß der Religionswerke, die das Lesamte Religionsgesetz enthalten, Abänderungen des Ueberlieferten, mangels einer dazu befugten Behörde, nicht vorgenommen werden können, und daher alle Bestimmungen verbindlich sind und bleiben. Ueber das, was „geschichtlich bedingte Glaub ensvorftellungen und Erscheinungsformen" find, haben aber die liberalen Rabbiner sich bisher noch Nicht in genügender Alarheit ausgesprochen. Es bleibt nach wie vor dem Einzelnen überlassen, sich selbst sein Tun und lassen nach eigener Erkenntnis oder eigenem Belieben emzurichten, selbst zu entscheiden, was „ewige Wahrheiten" und was „Glaubensvorstellungen oder Erscheinungsformen nur Leschichtlicher Bedingtheit" sind. Es herrscht dadurch ein 'Zustand, wie in.der Richterxeriode, es ist keine Regierung im Lande, jeder tut, was in seinen Augen richtig erscheint. Von vielen liberalen Juden wird erkannt, daß ein solcher Zustand Nicht der richtige ist, daß eine Klarstellung geschaffen werden muß. Die liberalen Rabbiner sind allerdings in schwierigerLage. Die große Mehrzahl derselben amtiert in Gemeinden, die nicht durchweg liberal sind, auch stehen viele liberale Juden auf dem Standpunkt: wir können uns nach unseren liberalen Anschauungen — die aber oft nicht Anschauungen, sondern Bequemlichkeiten sind — richten, aber von unserem Rabbiner verlangen wir, daß er, bei allem Liberalismus in seinen wissenschaftlichen Ansichten und predigten, doch nt seiner Lebenshaltung auf hörgebrachtem Boden steht. Der großen Mehrzahl der liberalen Rabbiner ist es deshalb wohl nicht möglich, ihre Ansichten im praktischen jüdischen Leben frei zu verwirklichen. Sie können nicht wagen, sich mit einem Teil ihrer Gemeinden in 'Zwiespalt zu setzen. Die liberalen Rabbiner sagen wohl:*) „Das Judentum ist zwar keine Gesetzesreligion, sondern eine ethische Religion. Kem und Ziel ist ihm das Sittliche, die Zeremonien sind nur äußere Mittel zur Erreichung dieses Zieles. Aber es hat nie ein Judentum ohne Zeremonialgesetz gegeben, es gibt keines. *) Rede Dr. Freudenthals in Posen, Richtlinien usw. Seite 111.

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