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Liberales Judentum · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 11

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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.. ■ ■ ■■ . - ■■■!■■ ■■■■■ Rundschau 11 fehien Lehrer die Frage richtet: „wie laßt es sich erklären, daß die Bibel das 2llter der Welt auf 5680 Jahre berechnet, wahrend Naturwissenschaft Beweisefür ein ganz Deutend höheres Alter in Händen hat." Wr/ wird der Religionslehrer nicht umhin!^Nen, auf die Diskussion der mittelalter- ,'en Exegeten und Philosophen hinzuweisen, ein jesch meajin, ein Hervorgehen der Uaterie aus dem Nichts .überhaupt möglich /fei, und wenn er auch das Wort „boro" ^fchuf) im Sinne von „jorar" (bildete) übersetzt, so daß der erste Satz der heiligen Sck?rift hauten würde: „Im Anfang bildete Gott Me bereits vorhandene Materie in) Himmel ' und. Erde (um)," — so ist dies eben nur eine Exegetische Hypothese, die nicht restlos befriedigt. I Folgende Antwort erscheint mir daher JVm empfehlenswertesten. Dberster Grundsatz bleibt, daß wir an der Einheitlichkeit der fünf Bücher Moses festh alten. Alle fünf Bücher sind uns von Mose gegeben worden, aber deshalb haben sie keinen Anspruch darauf, ausschließlich religiöse N)ahrl Herten zu enthalten. Oder möchte auch nur lein Mensch behaupten wollen, daß der Bericht über die Unzucht der geilen Töchter Lots eine religiöse Wahrheit sei?! So gibt uns auch das erste Buch einen Bericht über die Schöpfung der Welt und über die Anfänge der Menschheitsgeschichte, wie er sich eben zu den Tagen Moses noch in der Mitte der Kinder Israels erhalten hatte. Mit dieser Antwortwird der Zwiespalt in d er Seele'des Schülers behoben, Lr versteht, wie etwas in der heiligen Schrift zu lesen sei, was nicht im Einklang mit den Resultaten der Wissenschaft stehe. Er begreift es, — ohne darum die heilige Schrift geringer einzu sch ätzen. Man gewöhne nur . die Schüler an die Auffassung, daß die heilige Schrift ein Buch dss Lebens ist, und daß es im Leben auch andere als religiöse werte gibt. Die Antwort, die hier zu geben verbucht wird, steht nicht im Widerspruch zur Ueberlieferung. Daß alle 5 Bücher dem Mose auf dem Berge Sinai gegeben seien, wird fcho» vom Talmud (Gittin) angezweifolt, sonst könnte er nicht die Frage stellen: „1 thoro megillo megillo nithno thorö chassumo nithno?“ d. h. „Ist die Thora dem Mose rollenweise gegeben worden, und hat er sie erst am Ende seines Lebens zusammengestellt, oder wurde sie ihm im ganzen übergeben?" Das Stellen einer solchen Frage entscheidet - sie zugleich. Der Schüler,, dem die sechs Schöpfungstage große Kopfschmerzen verursachen, wird aus-der Antwort entnehmen, daß die religiösen Wahrheiten, die das Judentum lehrt, nichts mit dem Schöpfungsbericht zu tu» haben. Und sollte er erwidern, im % Gebot (II. 2.0, (() — und hier handelt es sich doch um eine religiöse Wahrheit — wird die Einsetzung des Sabbath auf die Schöpfung zurückgeführt, so erkläre man ihm, der Sabbath ist bereits vor der Offenbarung am Sinai eingesetzt worden, als Gott das Manna sandte. Damals (II, (6) ordnete er den fabbathlichen Ruhetag an und hier — und darauf kommt es allein an, weil hier zum erstenmal vom Sabbath gesprochen wird — fehlt jeder Hinweis auf die Schöpfung. Ja, noch mehr, im 5. Buch Moses V, 13' wird das -H. Gebot in der Reihe der übrigen wiederholt, und hier wird die Einsetzung des Sabbaths nur auf die Befreiung vom ägyptischen Joch zurückgeführt. Der Hinweis im 2. Buch Moses ist nur eine Anlehnung an den Schöpfungsbericht, wie er sich im Volke Israel bis zu den Tagen Moses erhalten hatte. Rundfchau. Frankfurt a. M. Jahresbericht des /Vorstandes des Freisinnigen Vereins /für jüdisches Exmerndeleben (Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Juden- " ittut i. A.) für 1918/19, erstattet in der ordentlichen Hauptversammlung vom 6. Dezember (gsg. Das erste Geschäftsjahr, das nicht mehr unter dem Einfluß der unmittelbaren Kriegsereignisse stand, brachte dem verein eine sehe reiche Arbeitstätigkeit. Der Vorstand trat alsbald nach der letzten Generalversammlung -zu einer'Sitzung zusammen, in welcher er zu-

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