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Liberales Judentum · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 95

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
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Bücherschau 95 immb gehalten, welcher in seinen überzeugenden Ausführungen gutes Material gegen die antisemitischen Verleumdungen des deutschen Judentums bietet. „Die Trennung von Staat und Kirche und das Judentum". „Die parteipolitischen Neubildungen in Deutschland und die Juden". Zwei stenographische Berichte über Erörterungsabende des Verbands der jüdischen Zugendvereine Deutschlands in Berlin sind ün Buchhandel erschienen und Liefern, insbesondere da maßgebende Persönlichkeiten daran Leilgenommen haben, interessantes Material zu den erörterten Themen. 3ofef, Feiner: „Gewissensfreiheit und Duldung in der Aufklärungszeit". Verlag Gustav Engel, Leipzig 00. wer in der heutigen trüben Zeit bei dem unerwartet starken Anschwellen der antisemitischen Bewegung in Deutschland an dem sveutfjchen Volke und seinem gesunden Geists, seiner Kulturfähigkeit verzweifeln will, greife nach diesem Büchlein, das Ln den Gestalten Leibniz, Thomasius, Kants, Herders, Lessings, Dohms und vieler minderer auf deutsche Männer des Humanismus hinweist und ihre Menschenliebe, ihr Gerechtigkeitsgefühl, ihre Duldsamkeit an Hand vieler überzeugender Belege nachweist. Lin kurzes Handbuch der Humanität könnte man es nennen, ein Denkmal aus Deutschlands Vergangenheit, das aufs Neue zu errichten unser Geschlecht sich berufen fühlen sollte. > Lhronik der Synagogen-Gemeinde zu Luckenwalde und deren vor? geschichte von 3- Freudenthal. Line anläßlich des 50jährigen Jubiläums der Gemeinde erschienene Festschrift, die es verdient, in-, der breitesten jüdischen Geffentlichkeit bekannt zu werden. Das Büchlein, das, an ^00 Seiten stark, recht gefällig ausgestattet ht, schildert einen Zeitraum von fast 200 Jahren, beginnend mit dem Tage, da die ersten Zuden in Luckenwalde ihren Wohnsitz nahmen. Es hat aber nicht nur lokale Bedeutung, sondern liefert auch einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Zuden in Preußen und zeigt gleichzeitig die Entwicklung eines aus dem Elend des Schutzjudentnms zur Höhe religiös-liberaler Gesinnung emporgestiegenen, blühenden jüdischen Gemeinwesens. Zn dem Ähicksal einzelner Schutzjudenfamilien, die Len harten Gesetzen Friedrich Wilhelms I..u-w-> Friedrichs des Großen unterworfen waren» spiegelt sich das traurige Los der gesamten Iudenheit vor der Emanzipation wieder. Aber auch nach der Emanzipation machten sich Lie Fortschritte, immer wieder durch äußere Einwirkungen gehemmt, nur langsam bemerkbar, bis endlich in der neueren Zeit die Strafen der Humanität auch auf das Geschick der Juden heilsam einwirkten. Lernen rrnr so im Teil der Lhronik durch die SchWderung der Schicksale, - die sich in kleinen Krchen vollziehen, den gewaltigen Fortschritt derZudenhe.it im {S. und 0. Jahrhundert kennM, so entrollt uns im 2. Tei! der Verfasser Las Bild einer Gemeinde, die der religiösen nrrd sozialen Fortschritt in ihrer Mitte zu weiteren Erfolgen ausbaut. Zhr« 3nstitutionen Pud dem Bedürfnis der Zeit an gepaßt, ohne deshalb den Zusammenhang mt der pietätvollen Vergangenheit zu verlieren Ganz bchonders stark wird dieser Ein druck beim Lesen der Kapitel „Gottes dienst", „Nrligionsschule", '„Wohlfahrtpflege", warum empfindet heutzutage be sonders die Mdisä^e Zugend so wenig in Gottesdienst? weil er sich in den meiste, Gemeinden nach in Formen vollzieht, die woh vor mehr als l>000 Zähren ihre Berechtigung hatten,' uns Lber heute als etwas wesenfremdes anmuten. Da lernen wir aus de . Lhronik eine kleine Gemeinde kennen, die sic! bemüht durch zeitgemäße Ausgestaltung de Gottesdienstes und Religionsunterrichtes au Herz und Gemüt ihrer Mitglieder zu wirke» Die Früchte einer solchen Religionsaus fassung erkemren wir am besten daran, iri sich die GemÄilde in den Dienst der Allgemein heit stellt. Dar Mahnung, die der verfaß an; Schlüsse Les Buches ausspricht, „sonder Dich nicht van der Gemeinschaft ab", wir in ihr beherzigt. Sie ist Mitglied alle größerer jüdchcher Organisationen und gc meinnütziger Vereine. Wohltätigkeit ist ei Grundzug ihres Wesens. Für den Hilfsverb der deutschen Zuden wurden in dieser kleine Gemeinde'während des Krieges über 50,00 Mark gesammelt, ohne die Beteiligung a den anderen jüdischen wohlfahrtsvereinr hervorzuhebeM. was einzelne- Gemeinderni

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