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Liberales Judentum · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ßberaks Judentum nionafsfdinft für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben von . der Vereinigung für das liberale Judentum in DeufTdiland unter der Redaktion von Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Srankfurt a. M. Jlo. 11 und 12. Jahrgang 11. Houbr.u. Dezbr. 1919. Zum Andenken an Geh. Justizrat Dr. Berthold Geiger geboren 6. Januar 1847, gestorben 24. Oktober 1919. Don Dr. Eduard Baerwald, Frankfurt a. M. nter dem frischen Eindruck - des Verlustes soll versucht werden, ein Bild des ältesten Sohnes Abraham Geigers zu zeichnen, den wir vor wenigen Tagen in den Boden der heißgeliebten alten Heimat seiner Familie gesenkt haben. Berthold Geiger ist in Breslau geboren und im alten Frankfurter Gymnasium herangebildet worden. In den Zeilen, in denen der .Antisemitismus die gesellschaftliche Abschließung zwischen Juden und Christen noch nicht zu einer Art Dogma gemacht hatte, hat er als fröhlicher Student der Burschenschaft angehört und sich, im Kriege von l870ijn der freiwilligen Krankenpflege bewährt. Fast ein halbes Jahrhundert hat er die Anwaltschaft in Frankfurt a. 2TL ausgeübt, in den ersten Jahrzehnten vor allem als weitbekannter . Strafverteidiger, spater als umsichtiger Notar. Aber diese Umfangreiche Betätigung genügte ihm nicht. Er begründete den Anwaltsverein und den Nötarverein und hat jte Jahrzehnte lang bis kurz vor seinem Hinscheiden in mühevoller Arbeit zum Wöhle seiner Berufsgenossen kraftvoll geleitet. Ihr Vertrauen entsandte ihn in die Anwaltskammer, in der die Hauptarbeit auf seinen Schultern lastete und deren Vorsitz er in dön letzten Jahren fiihrte, als der erste Jude, dem dieses Amt im Frankfurter Vberlandesgerichtsbezirk anvertraut wurde. Auch die Organisation der Fortschrittspartei' in Frankfurt verdankt ihm ihre Entstehung, jahrelang ist er aufopferungsvoll für die Partei tätig gewesen, vor allem in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, in dev er als bester Kenner der vielgestaltigen städtischen Verwaltung eine Äberrwgende Stellung einnahm. Nkustergültiges leistete er im Kommunal- und provinziaMndtag und im Provinzialausschuß, dem er über ein Rlenschen- ' alter angehörte. Eine gewaltige Fülle von Arbeit hat er in diesen Körperschaften betättgt, selbstlos und immer nur auf die Sache gerichtet, aber er mußte erfahren, daß es in der Politik wenig' Dank gibt; sein Stadtverordnetenmandat büßte er vor einer Reihe von Jahren als Opfer m&t widernatürlichen Koalition ein, die einer, die übliche Stammtischweisheit verachtendem, selbständigen Persönlichkeit keinen Platz Gönnen wollte. Das hat ihn nicht gehindert sich in den Dienst der Allgemeinheit zu Kellen, so lange noch Kraft in ihm war. In der Verwaltung der Gemeinde, in der sein Vater so Großes gewirkt hatte, konnte Berthold Geiger keinen Raum ftnden. Das hat nicht zur Folge gehabt, daß er sich verärgert zurückzog. Er Meb der treueste Sohn unserer Glaubensgemeinschaft, alle Fragen, die sie -betrafen, waren feines tiefsten^ Interesses sicher; so oft es nmr möglich war, besuchte er den GotteÄienst, obwohl sein schlechtes Gehör es ihm in den letzten Jahren stark erschwerte, ihm zu folgen. Seiner Kämpfernatur' lag freilich mehr die Betätigung nach' außen. Er hat Die Frankfurter Ortsgruppe des Eentralvereins deut-

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