Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ITlonatsfchrift für die rellglöken Intereffen des Judentums . * herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion van Vr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. III. Ho. 9 und 10. Jahrgang 11. Sept.n. Oktober 1919. Probleme des modernen Judentums. Von Dr. Erwin Seligmarm-InanKfurt a. M. er Zionismus, ursprünglich Revolution, instinktives Gefühl und Bekenntnis/ ist in das Stadium bcr Realität getreten^). Das Leben des Judentums kann nicht mehr an ihm Vorbeigehen. Der 'Kampf für und wider geht nicht mehr um dis Berechtigung in erster Linie, sondern um die Begründung. Kritik und wissenschaftliche Fundierung wird, angestrebt. Unübersehbar fast ist die Fülle der literarischen Neuerscheinungen, die sich die Erörterung des jüdischen Problems zum Ziel gesetzt 'haben. . Palästina — davon gehen all diese Betrachtungen aus — wird jüdisches Land sein. Nur über das wie seines Aufbaus, über Kolonisation, innen- und außenpolitische Gestaltung muß Klarheit geschaffen werden. Das mag nationalökonomische Schwierigkeiten bieten, aber keine ethisch-soziologischen und kommt erst in 'zweiter Linie. Die brennende ßvage aber, welche immer wieder die Geister entzweit, welche von gleicher Bedeutung für Gegemvart und Zukunft ist, betrifft die Existenz der Juden in der Diaspora. Ist sie zu bejahen oder zu verneinen? , Lohnt der Kampf um das Weiterbestehen eines über die Welt zerstreuten Volkes, einer jüdischen Religionsgemeinschaft, oder Schicksalsgemeinschaft, oder wie sonst der soziologische Begrift für die Iüdenheit lauten möge? .Kann und soll und muß die Diaspora verewigt werden? - h Bgl. Dr. C Letigmann: .Von der inneren Krisis im Zionismus', Jul:-Lugusthesr dieser Zeitschrift. Das.realpolitllsche und dasideologische Raisonnermnt geraten bei diesen Erörterungen meM in Widerspruch. Die Wirklichkeit will andess als das hundertmal mit Fanfaren herausgrßchmetterte Programm, und so ist jdas regeÄräßige Ergebnis ein klägliches Kompromiß, ein haltloses sinken ^ach beiden Seiten. Zweivaterländertheorie, Rlission auf nationaliWchem Umweg, Doppelsprache . . . und ährÄches. von zwei 2lusnahmen aber sei hi« die Rede, den neuen bedeutsamen Werken Kl a tz k i n s und Z o lisch a n s. Aus herbstlich mEem 'jüdischem Blätterwald ragt Klatzkins werk-) in monumentaler Wucht hervor. RT gewaltigen Streichen haut einer die Späne von der wirkliclsteit, um innersten Geist bbchzulegen. Lin Fanatiker, ein Besessener, rm großer Hasser, ein Jünger Nietzsches undStrindbergs an Sprachwucht und Dichterkraft. Grandiose.Einseitigkeit bricht in Hymne» des Hasses und des starren Willens aus. Welt ist ihm Spielzeug und wird solaWe zurechtgebogen, bis alles in die große LÄäe paßt. Jüdisches Sein wird nur von dem einzigen Blickpunkt drs Nationalen betrachtet. Was schÄrbar dem, widerspricht, wird umgedeutet, od-cr ist „Verirrung nationalen Instinkts". Einseitigkeit springt souverän mit geschichtlachen Fakten um, denn sie glaubt an sich ftlbst. Das ist das b>in- 2) Jakob Klahkin: Probleme dcs modernen Judentums. Jüdischer Aerlag Berlin 1919, Preis drosch. 9 Mark, 193 Seiten 8°.