Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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t>4 Bücherschau Feine, tiefe Gedanken, denen wir gerade vom Standpunkt des liberalen Judentums freudig zustimmen können. ' ' Gi-re gerade Linie zieht sich von der Strauß'schon zur Buber'schen Schrift. Beide sehen das Religiöse als ersten und letzten Wert, als Urkraft und Ziel an, als das, um desfenwillen es sch lohnt, Jude zu sein und zu' bleiben. Auch für Buber ist das Religiöse nicht etwa nur ein Teilgebiet, ein Ausschnitt des nationalen oder kulturellen jüdischen Seins, sondern umgekehrt die Religion, recht verstanden, als die Einheit von Geist und Welt, als die Verwirklichung des Geistes und- Vergeistigung, Verklärung und Heiligung der Wirklichkeit, ist die einzig adäquate Ausdrucksform des jüdischen Menschen. Aber darin unterscheiden sich die beiden, daß Buber das Göttliche seines Ligenseins entkleidet und einem mystischen Pantheismus zuneigt, wahrend Strauß dem Göttlichen „ein Drüben" zuweist. Für Buber ist der Mensch das Maß aller Dinge. Für Strauß ist es die transzendente, werte schaffende und offenbarende Vernunft, der geschichtliche Gott unserer Vater, der (Quelle und Bürgschaft unserer Religion ist. Ob die innere Rrisis des Zionismus, befreit von aller Ueberfchätzung des Naturhaften und volkshaften, zu dieser letzten Geistigkeit sich durchringt, um nüt seinen neu erweckten Rräften zu dem religiös-liberalen Judentum hinzufinden? - Bücherfdiau. . Hans Goslar, Die Sexualethik der jüdischen Wiedergeburt, ein Wort. an unsere Zugend. Jüdisch er Verlag, Berlin $19- 8°. 4? Seiten. Wir begrüßen in diesem ernsten, von starkem ethischem Pathos getragenen Büchlein ein Symptomreligiös-ethischer Selbstbesinnung, die in Der gesäurten jüdischen Jugend Deutschlands zu erwachen begimrt. Alte sittliche Forderungen, wie sie im Religionsgesetz des Iudentrrms ihren Niederschlag gefunden haben, werderr wieder - lebendig. Sexuelle Abstinenz, aus dem starken Verantwortungsgefühl gegen Ahnen und Enkel ihre Willenskraft schöpfend, dafür nräglichft früh einzugeherrdc Ehe, die ihre Wahl nach neuen ethischen Gesichtspunkten trifft, wird der männlichen jüdischen Jugend als jüdische Pflicht auferlegt. Diese Forderurrg wird mit den Verfallserscheinungen des modernen Judentums, aber auch nrit der so notrvendigen Lharakterrrnd Willensentwicktung des jüdischen Individuums begründet. Mit scharfern, klarem Blick in die Zeit werden die verirrurrgen der weichlichen Erziehungsmethoden des letzten Jahrhunderts aufgedeckt, die ein schwächliches, haltloses Geschlecht hervorgebracht haben, das wehrlos den Verführungen romantischer Frauenliebe gegenüberstand und gegen die Mischehe ungewappnet war. Mit warnren Tönen wird der Schönheit des jüdischen Hauses ein Loblied gesungen: „Schafft euch ein jüdisches Heim, Freunde! Laßt unsere Festtage zu Ehren komnrerr urrd verserrkt euch an ihnerr' mit Frau und Rindern in die Geschichte unseres Volkes. Ehret den Sabbat, den Tag der „Seelenlust", an denr sich die Seele frei rnachen soll vorr Lrdenstaub und sich das Göttliche in uns erhalten soll! Nicht allen von uns ist es hier möglich, den Sabbat durch Arbeitsenthaltung zu feiern. Wohl ein . jeder aber kann am Freitagabend für einige Stunden sein Heim verzaubern, wenn er die „Prinzessin Sabbat" zu Gast lädt. . . Haltet der Väter Sitten und Bräuche in Ehren. Gebt euren Rindern etwas, worin sie fest verwurzeln, .was ihnen unveräußerlicher Ligenbssitz wird. Macht ihnen ihr Judentum liebenswert, und sie werden euch als Mi'.tler seiner Schönheit doppelt ehren und lieben." rvir empfehlen das eindringlich geschriebene, warmherzige und ernste Büchlein — trotz mancher auf Partei-Vorurteilen beruhenden' schiefen Urteile über die Reformbewegung, die im Gegensatz zu der vom Verfasser vorgetragenen Ansicht das zerbröckelnde Gebäude des Judentums erhalten wollte— der eifrigen Lektüre und Beherzigung unserer liberale«! Jugend. S. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerftratze 22. Für die Redaktion und den Verlag veranNvortlich vr. C. L-eligmann, Frankfurt a. 9)1., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt «fc Gleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Gaffe 6.