Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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j JDAiC liberales , ' monatsfdirift . : .; fQr die rellglölen Jntereffen des Judentans - . keransgegeben von der : Vereinigung für das liberale Judentum is Deuffdiland unter der Redaktionvon Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in £rankfurt a. ITl. Ho. 7 und 8. Jahrgang 11. Jrifiu.Auguft 1919. . ... ' 'L 11 1 . ..—— ' Religion und Leben. v- , Don Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfuri a. M iner der bemerkenswertesten Unterschiede zwischen dem Judentum und den übrigen antiken Kulturen besteht in ihrer verschiedenartigen Beziehung zwischen Religion und (oben. Bei Griechen und Rönrern war die Religion etwas, was ganz offiziell neben dem (eben einherging und nur bei besonderen Gala-Gelegenheiten in das (eben einbezogen wurde. Im Judentum sollte das (eben selbst.Religion und die Religion (eben sein. Das war insbesondere die große Forderung der Propheten, die nicht müde wurden, als letzten Sinn der Religion die verfittlichung und Erhebung des (ebens zu begreifen und zu fordern.- Das Ethos als Postulat der Politik, die Selbstbeherrschung und Nächstenliebe als pofhüate des Einzellebens find seitdem als ideale Forderungen der Religion nicht aus dem Bewußtsein der Menschen geschwunden. « - Es wäre zu schon gewesen, ein (eben, vermahlt mit Religion, eine Mirklichkeit, verklärt und erhoben durch die Majestät des Ideals. Es wäre zu schön gewesen; aber, ach, es war ein schwer Traum nur. Bis zu,n heutigen Tage gähnt eine* furchtbare Kluft Mischen Ideal und Mirklichkeit, zwischen Religion und (eben. Mder findet die Religion Zutritt zum (eben? Findet sie Einlaß in Staat imd Gesellschaft, in Gandel und Mandel, in Kunst und Missenschaft? tvird ihr Gebot befolgt auf Straßen und Märkten, im Geschäft und Beruf, in der Morkstatt und am Pflug, an der Börse und in den Staatskabinetten? Die Religion, frvdert Mahrheit: das (eben geht mit der Aügheit. Die Religion gebietet (iebe; das (eben hälts mit der Selbstsucht. Die Religvn verlangt Selbstverleugnung, das (eben denkt: lieber Hammer als Ambos sein. Die Religion spricht: liebe deinen Nächsten wie Dich selbst. Das (eben spricht: jeder ist sich splbst der Nächste. Die Religion befiehlt: s<ü lieber unter den Beleidigten als unter drm Beleidigern: du sollst dich nicht rächen und nichts nachtragen. Das (eben meint: wie du mir, so ich dir und halt es für sch,nachvoll, Beleidigungen nicht zu rächen. Die Religion gebietet: du sollst nur Gott anbeten. Das Lcken betet nichts mehr an als den Erfolg. Me Religion lehrt: erlaubt ist, was Gott gefällt. Das (eben streicht nur ein kleines Mort und erfand den klugen Spruch: crlaiüt ist, was gefällt. Die Religion verabscheut Krieg und Blutvergießen, ihre schönsten Klänge sind Friedensklänge, und Frieden cuf Erden ist ihr himmlisches Zukunftsideal. Aber das (eben lachte der phantastischen Träume und sprach mit überlegener Meisheit:: nur durch Elsen und Blut werden die Gcsshicke der Völker entschieden. Das (eben will nichts wissen'von Religion. Die großen Konflikte des (ebens werder, durch Macht rnd nicht durch Recht geschlichtet. Menu ein alter Frommer sprach: lieber all „rein (cbtaxein Tor unter Menschen ass eine StmLe ein Sünder gegei, Gott, so spricht die Weisheit der Kinder der Melt: lieber all mrm (ebtag ein Sünder