Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 48 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Rundschau Sinne so ausgcstalten, daß sie zur weltreligion sich entwickeln könne. Je mehr-für die liberale Zlusgestaltung des Judentums getan werde, desto mehr nähere man sich dem echten, dem prophetischen Zudentume. Aus diesen Grundsätzen leitete der Referent die einzelnen Aufgaben des liberalen Judentums für Schicke, Gottesdienst, Familie und Jugendpflege ab. Mit einem hoffnungsfrohen 2lusblicke in die Zukunft der jüdischen Religion sowie der Menschheitsverständigung schloß der Redner seine Zlusführungen, die durch ihre Wärme und Klarheit eine starke Wirkung auf die Versammlung ausübten. — Herr Rechtsanwalt Dr. John wertherm behandelte in feiner Rede die 2lufgaben des liberalen Judentums auf dem Gebiete der Gemcindepolitik und präzisierte insbesondere die Stellung des liberalen Vereins dem Nationaljudentum gegenüber, wenn auch die Liberalen für Demokratie feien und Duldung in weitestem Umfange übten, so dürften sie dock) nicht dem Kampfe eins dem Wege gehen, wenn es sich um den Fortbestand der südischen Religion handle. Es fei ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Berliner Repräsentantenversammlung, daß ihre liberalen Mitglieder trotz iherr zahlenmäßigen Ueberlegenheit doch stets allein religiösen Richttmgen gerecht wurden. Aber gegenüber dem gefährlichen Treiben, der Nationaljuden, die ohne Rücksicht auf die Anschauungen und Empfindungen der Nichtzionisten die jüdischen Religionsgemeinden in volksgemeinden und die jüdische Religionsgemeinschaft in Deutschland in eine Volksgemeinschaft umwandeln wollen, müsse die Duldung aufhören und der Kampf beginnen. Bei den bevorstehenden Repräsentantenwahlen handle es sich um die Entscheidung, ob die jüdische Glaubensgemeinschaft als solche weiterbestehen oder ob die Juden als Angehörige eines fremden Volkes behandelt' werden sollen. Der Redner wies an der Hand der von den Nationaljuden ausgestellten Thesen nach, welche unerträglichen Folgen bei einem Siege der Zionisten in der Hanptgemeinde Deutschlands für das ganze deutsche Judentum eintreten müßten. Mit einem warmen Appell, dem Liberalen Verein beizutreten und dadurch dem Liberalismus zum Siege zu verhelfen, schloß der Redner seine Ausführungen, die einmütige Zustinrmung und reichen Beifall fanden. — Hierauf nahm Frau Henriette May das Wort zu ihrem Vortrage „Das liberale Frauenprogramm". Die Rednerrn behandelte in tief durck)dachter und wann empfundener Rede die Aufgaben. der Frau, der Mutter und der Erzieherin im' neuen Deutschland. Zn überzeugender Weise trat sie für die Gleichberechtigung der Frau im jüdischen Gemeindeleben ein und wies nach, daß die Tätigkeit der Frau in der. Gemeinde stube, in der Zugendpflege und im sozialen sowie gottesdienstlichen Leben der Gemeinde unentbehrlich und von größtem Sogen sein werde. Besonders'werde die Frau das religiöse Empfinden der Zugond stärken, wenn sie im Geiste des Liberalismus, im Einklänge mit den Forderungen der Zett ihre Wirksam keit ansübe. Der Muttermund, der das Kind die Muttersprache lehrte, werde es auch verstehen, der Zugend Heilsarnen Rat bei den großen Leiden der Zeit zu erteilen und Zünglinge und Zungsrauen vor Abirrungen zu bewahren,'' wie sie in den Reden des Abends zunr Ausdruck gekommerr seien. — An die Referate schloß sich eine lebhafte Aussprache, an der sich besonders die Herrerr. Dr. Salornonski, Dr. Wertheim, weigert. Seminarlehrer 'Falkerrberg und Zahnarzt Lipfchitz beteiligten. Auch die Gegner kamen zu Worte. Von der konservativen Partei sprach Herr Lask, der seine Zustimmung.511 den Bestrebungerr des Liberaler! Vereins aus drückte. Er bedaure das ungereckste Urteil, das irr der Gerrreinde zürn Teil über Herrn Dr. Kcllermann f)latz gegriffen habe. Er hatte gewünscht, daß die Ausführungen des Herrn Dr. Kellermarin vorr recht vielen seiner Gegner gehört worden wären. Sie würden an dem heutigen Albend eines Besseren bc lehrt worden fein, wie dies auch schon Ar einem sehr großen Teile durch die außer orderrtlich lehrreicher! Vorträge des Herrrr Dr. Kcllermann, die er in der Synagoge Levetzowstr. halte, geschehen sei. — Die Ver sarnrnlurrg, die überaus .stark besucht rvar, führte dem Liberalen 'Verein eirre Anzahl Mitglieder Ar. 8eb. Herausgegeben von der Vereinigung für oas liberale Judentum Berlin W. 8. Mauerstraße 22. die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. G. Seligmann. Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt «fc Gleider, Frankfurt a. M., Bieber-Eaffe L.