Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 47 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau 4? Auf Eiriladung des "Herrn Fischet wird beschlossen, die nächste Hauptversammlung voraussichtlich im November d. I. in Elberfeld stattfinden zu lassen. Anträge Ler Ortsgruppe Elberfeld. Richtlinien für die Neuorganisation der jüdischen Gemeinde: iL' Wesen der jüdischen Gemeinde. Die jüdische Gemeinde ist eine Religionsgesellschast im Simie der voni Verfassungsausschuß der' Nationalversammlung für das Verhältnis von Rirche und' Staat angenommenen Grundsätze. Sie hat religiöse und soziale Aufgaben. Fragen der äußeren Politik beschäftigen sie nur insoweit, als die Bekämpfung des Antisemitismus erfordert. Zur jüdischen Gemeinde gehören ockle Bekenner der jüdischen Religion. 2. Die Vereinigung für das liberale Judentum - in .Deutschland verwirft den 'Gedanken einer Umwandlung der auf reli- ' gioser Grundlage aufgerichteten jüdischen Gemeinde in eine volksgemeinde mit nationalen Selen. R. Verfassung der jüdischen Gemeinde. Die Gemeindeverfassung ist in demokratischem Sinne auszugestalten. lvir fordern das allgemeine, gleiche, gehobne und direkte Verhältnis-Wahlrecht für beide Geschlechter. Insbesondere verwerfen wir jede Abstufung des Wahlrechts auf Grund der Steuerleistung. Eine gerechte Regelung der Frage der )lusländer wird von uns angestrebt. . 2. Wir fordern für die Rabbinen (in rabbinerlosen Gemeinden'für den Lehrer) Sitz und Stimme in der Gemeindeverwaltung. 3. Rabbiner, Lehrer und Rantoren sind nach Verlauf einer zu vereinbarenden Zahl von Jahren lebenslänglich anzustellen. 6. .Aufgaben der jüdische «Gemeinde. Der Gottesdienst soll nach Möglichkeit den Forderungen der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland gemäß ausgestaltet werden. (Er soll nicht Lmvch große Länge ermüden; deutsche Sprache neben derhebräischen; die Gebete müssen der wahrhaftige' Ausdruck unserer wünsche sein.) 2. ReligionsuDkerricht. wir fordern von der. Gemeindeverwaltung, daß fte mit allen Rlitteln ftir pfWchtgemäßen und airsreichenden Religionsuirtwricht au den öffentlichen Schulen und wam erförderlich durch Begründung einer RÄgionsschuch eintreterr wird. (vgl. Resolution des Elternabends in Nürnberg.) Zum NelMonsüntcrricht gehört die Erlerrnmg des hebräischen als Gebetssprache. 3. wir fordern ©an der Gemeindeverwaltung Unterstützung Mer Bestrebungen zur pflege jüdischen Wissens. wir verlangen von der Gemeindevenvaltung die Förderung rrnd pflege jüdischer Wohlfahrtsbestrebungen oder Wohlfahrt^einrichtungen. . Berlin. Der LLerale Verein für die Angelegeicheiten der jüdischen Gemeinde (Bezirksgruppe Lharlottenbowg) veranstaltete am 8. Mai aus Anlaß der bevorstehenden Repräsentantenwahlen- [ei®c erste große Versammlung in diesem Jahre. Wie der weiter der Versammlung, 'Herr Zahnarzt Lixschitz, hervorhob, gelte es diesmal, den Liberalismus in der Berliner Gemeinde gegen den Ansturm der Zionisten und,Grthodoren zu. schützen. Der liberale verein erblicke deshalb jetzt mehr noch als früher seine Hauptaufgabe in der FörderuTg der Jugendpflege, in der Schaffung eines zeitgemäßen Wahlrechts, in der Demokratisierung der Gemeindeverwaltung und.in deM Eintreten für die Heranziehung der Frauen zur tätigen Mitarbeit im. Gemeindelebrn, besonders für die Erteilung des aktiven und passiven Wahlrechts an die Frauen, Zum ersten Riale trete heute im liberalen Verein eine Dame, Frm: Henriette May, ds Rednerin vor eine Versammlung. — Dar erste Redner des Abends, Herr Gememdrrabbiner Dr. Reltermann, sprach über die <lufgaben des liberalen Judentums auf Lern Gebiete des reli-. giösen Lebens in der Gemeinde. In eingehenden und überzeugenden Ausführungen: legte er dar, daß Liberäisums nicht, wie von den Gegnern bel^auptck wurde, Zerstörung, sondern gleichbedeutend rnit Judentum sei. Liberal sein bedeute, Die jüdische Religion auf der Grundlage vsn Freiheit und Vernunft in ethischen!, sozirlem und kulturellem