Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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liberales Judentum nionatsfdirift für die religiösen Interellen des Judentams r; herausgegeben von der - , Vereinigung für das liberale Judentum m Deutschland . unter der Redaktion von Vr. Caefar Seligmann, Rabbiner in frankfurt a. ITT. No. 5 und 6. Jahrgang 11. Mai u. Juni 1919. m neues Deutschland stellt das deutsche Judentum vor neue Zlnfgaben, deren Lulle und Größe unsere höchste Kraft und die Umgebung jedes einzelnen fordert. - Das deutsche Judentum als Gesamtheit und .jede einzelne Gemeinde wird sich eine neue, der Stellung der jüdischen Religionsgemeinschaft in Deutschland entsprechende Verfassung geben müssen. Mir begrüßen es, .daß die neue Zeit alle brachliegend^ Kräfte zum Gemeindeleben heranziehen, und veraltete -gesetzliche Schranken beseitigen wird. Dabei werden wir unser Augenmerk darauf zu richten haben, daß alle Hindernisse beseitigt werden, die sich der Fortentwicklung der jüdischen Religion und ihrer äußeren Erscheinnngssormen entgegenstellen, und werden -alle Maßnahmen fördern, die die Aufrichtung solcher Schranken für die Zukunft unmöglich machen. Mir werden hierbei auch für eine Hebung der^ Stellung unserer Rabbiner eintreten, damit ihnen in der neuen Gemeinde- Verfassung ein Platz angewiesen wird, der ihnen als geistigen Führern im Judentum zukommt, wie das zugleich im Interesse der Förderung unseres religiösen Lebens liegt. Ernzelforderungen lassen sich heute noch nicht aufstellen, weil erst abgewartet werden muß, wie sich die religiönspolitische Entwicklung Deutschlands gestalten wird. Die neueste Entwicklung, die der Zionismus durch den Melckrieg genommen bat, nötigt uns zu klarer Stellungnahme gegenüber dem nationalen Judentum. Uns wäre selbst ein etwaiger aus den Zeitumfranden zu erklärender, äußerer Erfolg des national-jüdischen Gedankens kein Beweis für seine innere MahrhÄ. Eine historische Ge meinschaft der Religüm zu sein und zu bleiben ist unser Mille und unser Stolz. Inder Hoheit seiner religiöser Idee und der Reinheit seiner sittlichen.Federung liegt für uns die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums.' Religion und Sittlichkeit. aber find unabhängig von noEonalen Schränken. In der Zerstreuung der Juden unter die Völker erblicken wir darum kein Golns (Verbannung), sondern ein Malten der Vorsehung zu höheren ' ZweMn. Der messianische Glaube an' einen ssittlichen Aufstieg der Menschheit läßt uns den Kampf um unser Recht, und um. unsere Geltung unter den Völkern mit ungebrochenorHoffnung weiterführen. Ist das die UÄÄrzeugung, die in uns selbst lebt und für dar wir auch bei der jü dischen Jugend werbm wollen, so treten wir denen nicht hinderlich m den Meg, die sich in ihrem bisherigen Vaterland seelisch und leiblich so bedrückt stöhlen, daß sie ihr Heil nur in einer neuen Mischen Heimat in Palästina finden zu könmn glauben. Ihre Siedelnng in Palästina bedeutet uns ein großes jüdisches Hilfswerk. Mir aber, die wir um unserer religiösen Auffassung des Judentums willen und aus Liebe zu unserer deutschen Heimat in jeder Beziehung uns mit unserem deutschem Vaterland verbunden fühlen, beanspruchen das Recht, unser Leben in unserer Heimat mch unserem Milten z» gestalten. - Diese )lufgaben aber bilden nur die vor - aussetznng und den äußeren Rahmen unserer