Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Rechtsanwalt H. Stern: Organisation der Liberalen Bereinigung Organisation der Liberalen Vereinigung. Bon Rechtsanwalt H. Stern-Berlin. rieges Ende! In die Heimat zurückgekehrt sind unsere Männer und Jünglinge und damit hat auch unsere Bewegung ihre Führer und Wegebahner zurückgewonnen. Nun darf aber auch kein Augenblick mehr verloren gehen, um den Ausbau unserer Organisation zu vollenden, der nach verheißungsvollen Anfängen durch den Krieg in verhängnisvollste Stockung geraten ist. I. Wozu bedürfen wir der Organisation? 1) Unsere Bewegung, heißt es, ist mehr als alle eine individuell-geistige und verträgt keine Schablonisierung. Nun, wer je tiefer in die Entwicklung des liberalen Judentums geblickt hat, weiß, daß bei allen Verschiedenheiten der Einzelauffassung wir in der Grundauffassung vom'Wesen des Judentums einig sind, in der Erkenntnis, daß das Judentum eine geistig-sittliche Gemeinschaft ist, in der Ueberzeugung, daß das Judentum dem Prinzip ständiger geschichtlicher Entwicklung unterliegt Nnd in der Auffassung der Stellung von Religionsgesetz und Religiosität. Diese Grundsätze und ihre Folgerungen, die positiven Forderungen des liberalen Judentums', hat Norden in seiner Programmbroschüre so klar entwickelt, daß hier nur darauf verwiesen werden kann. 2) Aber 'diese Grundlagen des liberalen Judentums und ihre praktischen Ergebnisse find noch lange nickst Gemeingut all derer, die sich liberal nennen. In Wahrheit verbirgt sich hinter der Maske „Liberalismus" nur zu oft blanke Indifferenz und schwächlichste Gleichgiltigkeit. Hiergegen anzugehen ist die erste Aufgabe unserer Vereinigung. In allen Gemeinden, in den sogenannt liberalen zuvörderst, nruß sich ein Stamm wissender und überzeugter Anhänger unserer Bewegung bilden. Durch fortlaufende Belehrung müssen die lehren des liberalen Judentums verbreitet und lebendig erhalten werden. Durch tätige Teilnahme am jüdischen Leben, in Familie, Gotteshaus und Gemeinde müssen sie verwirklicht werden. Erst wenn wir nicht nur vom liberalen Judentum nur sprechewund darüber debattieren, sondern wenn wir es Vorleben, können wir den Beweis feiner Lebensfähigkeit und seiner Notwendigkeit geben. Darum heißt es in erster Linie, eine Gemeinschaft bilden, Gemeinschaften der.Erkenntnis und des jüdischen Lebens an allen Orten, wo deutsche Juden wohnen. 3) Dann aber bedürfen wir der ständigen liberalen Gemeinschaft^! für die besonderen 'örtlichen Bedürfnisse unserer Bewegung. Wo 'Schule, Gottesdienst und Gemeindeleben mit Forderungen herantreten, muß das liberale Judentum zur Erfüllung bereit sein. Hier soll eine Religionsschule gegründet, dort ein Gebetbuch eingeführt, dort ein Lehrer oder Rabbiner gewählt werden. Wir haben esN in letzter Zeit nur zu oft schmerzlich empfunden, daß liberale Bedürfnisse sachlicher und persönlicher Art selbst in großen liberalen Gemeinden unerfüllt blieben, weil es an der örtlichen Organisation fehlte, die hier mit Nachdruck für die wünsche der Liberalen einzutreten in der Lage war. ' H) Endlich gilt es die Stellungnahme des liberalen Judentums zu den großen Fragen der jüdischen Politik festzulegen. Ich brauche nur die Schlagworte: Nationaljudentum, Kongreßbewegung, Aenderungen der Gemeindeverfassung, Trennung von Staat und Kirche, Gesamtvertretung der deutschen Juden, Jugendbewegung zu nennen, um jedem wahrhaft liberalen Juden die zwingende Notwendigkeit klarzulegen, daß schleunige Zusammenfassung aller Kräfte geboten ist. Das liberale Judentum wird sich völlig ansschalten, wenn es sich nicht allerorten die Organisationen schafft, die im Meinungskampf ihr gewichtiges Wort mitzusprechen gewillt und befähigt sind. II. Wie follenwir unsorganifieren? ]) Zunächst müssen Ortsgruppen gebildet werden, allerorten; keine Gemeinde darf sich ausschließen. Unsere bisherigen Mitglieder müssen die Werber sein, die Zentrale wird sie durch Schrift und Wort unterstützen. — Und gerade die mögen an die Spitze der Bewegung treten, die Zeit für unsere Sache haben, die mit jüdischen Ehrenstetten noch nicht über-