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Liberales Judentum · 1918-09-01 · Heft 9-10 (September 1918) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 9-10 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Liberales Judentum niönafsfdirift für die reUgiöfen Interellen des JudenfHtns : ... . herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutfchland unter der Redaktion von vr. Caefar Seligmann, Rabbiner io Frankfurt a. ITL Ho. 9 und 10. Jahrgang 10. Septbr. u. Ohtbr. 1918. Dem Hamburger Tempel zu feinem hundertjährigen Jubiläum, Bon Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt a. M. omkippurklätige rauschen durch den Tempel und tragen die Seele der andächtigen Beter Fiber die Enge und Niedrigkeit des Alltags hoch empor. wie gewaltig und er- .bähen . der Eindruck eines Domkippur im Hamburger Tempel war, dafür besitzen wir in den Änfangskapiteln des Nomanes „Dane die Dü^iu" von j)hilipp Galen eine packende Schilderung. „Der Fremde war von allem was er um sich her sah, tief ergriffen, denn die Andacht aller hatte auch die seinige erweckt, so daß er bald mit weichem, warmem Herzen zu demselben Gotte sein Gebet erheben konnte, zu dem fetzt die um ihn sitzenden Duden es erhoben. . . Als das lange Gebet beendet war, wurde die Seele des Christen auf eine unerwartete Art erschüttert. Die Grgel auf dem Tliore intonierte mit wunderbar schönem Klange, und der Ll^or der wlänner und Knaben ließ sich zum erstenmal in vierstimmigem Gesänge vernehmen. Schön, rein und warm war dieser heilige Gesang, die Stimmen eigneten sich vollkommen dazu, und als die Einleitung beendet war, schloß sich die ganze Versammlung der Absingung des Hauptliedes an. . . Was ging da plötzlich in ihm vor? Seine ganze Seele schwebte auf den Flügeln des erhabenen Gesanges dahin, und sein männlicher Geist vertiefte sich mit unaussprechlicher Wehmut in den Dnhalt desselben. G, lange, lange hatte er nicht empfunden, was er/jetzt empfand... in sein Auge stahl sich eine heiße Zähre, die er ruhig fließen ließ, weil es ihm Wohltat, einmal die.Schleusen seines Innern eröffnet zu sehen und sein inneres web ausgesprochen zu hören, ausgesprochen, so klar und deutlich, so mnfaßend und verständlich, wie es lange, o vielleicht noch nie eines Atenschen Stimme und Herz vor ihm ausgesprocheM hatte. Die Verse des Jedes -aber, welches ihn so tief ergriff und mit meisterhafter Innigkeit gesungen wurden, lauteten folgendermaßen: Seele, was betrübx du dich I Was ist dir so bang in nur 1 Fühlst du nicht des Vaters Nähe, Der uns all' im Herzen trägt? Tebt kein Gott dir m der Höhe, Der die liebet, die er schlägt? Aufwärts scharr'! Gott vertrau! Seele, was betrübst du dich! Himmelwärts Heb das Herz; Jede Träne, die da fällt. Zählt der Lenker seiner Welt." Das also ist der vieHesch,nähte und verleumdete Tempel, von dem Graetz in seinem durch Hamburger (Orthodoxe beeinflußten, einseitig parteiischen UrtcÄ, verächtlich als von einer „Alifchlingsgeburt" redet, die „ohne Siebe und Begeisterung rat die Welt gesetzt" worden sei, „einem friedlichen Ausgleich unter streitenden Geschäftsleuten ähnlich." Diese „nüchternen" Hamburger Geschäftsleute bewiesen datnals, vor 100 Jahren, eine wunderbare Mpferwilligkeit ttnd eine begeisterte Hin-

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