Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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liberales Judentum monatsldirift . für die religiösen Interelfen des Judentums herausgegeben von der Verewigung für das liberale Judentum m Deuffchland unter der Redaktion von Dr. Caefar Sellgmann, Rabbiner ih* Frankfurt a. M. No. 5 und 6. Jahrgang 10. Mai u. Juni 1918. Hermann Cohens Syftem-die Begründung des literalen Judentums. Von Rabbiner Dr. Kellermann-Berlin. en der großen Bedeutung, die Hermann Lohen für das Judentum bat, zeugt die Tatsache, daß sich alle Bichtungen und Schattierungen des religiösen Judentums um ihn scharen, weil sie in ihm ihren Heros, den Begründer und Vertreter ihrer Ideen erblicken. Da wäre es denn freilich ein müßiges Beginnen, ihn für eine ganz bestimmte Bichtung im Judentum als Lideshelfer zu reklamieren. Um so aussichtsloser scheint ein solcher versuch zu sein, als Lohen selbst in dem Zusammenschluß aller Bichtungen das Ziel seiner philosophisch-religiösen Betrachtungen erblickte. wollte er doch stets zur Erhöhung der Stoßkraft nach außen die Gegensätze innerhalb des Judentums auf ein Minimum berabgedrückt wissen, und behandelte er doch im heiligen Drange seines jAetätsgefühls das Altüberlieferte als den gemeinsamen Urquell des Judentums mit besonderer Lhrfurcht und Diskretion. wenn nun gleichwohl an dieser Stelle seine Beziehungen zum liberalen Judentum erschlossen werden sollen, so beruht ein solches Verfahren weniger auf einer Analyse der politisch-praktischen Richtung in Lohens Persönlichkeit, als vielmehr auf einer Erhellung und Durchleuchtung seines philosophischen Systems, von diesem Standpunkte aus wagen wir die These, daß das System Lohens die eigentliche Grundlage für das liberale Judentum geschaffen hat. Lohens System läßt sich kurz formulieren als Jene Gedankenrichtung, der die unverrückbare Souveränität der Vernunft Ziel- und Angelpunkt der Kultur bedeutet. Damit soll gesagt sein, daß alle Richtungen des Kulturbewußtseins, die Gesetze des Denkens, wollens und Fühlms, nur in dem dogmenfreien Entwurf rein gredanklicher Konzeption ihren Urspruiw haben. Ls gibt keine Instanz, die sichnichtder Vernunft unterzuordnen hätte. Batnralmnus und Materialismus, f)ersonalismus und Historismus, sie alle müssen auf ihre Sonderrechte verzichten gegenüber der mit universalen Geltungsansprüchen auftretenden Vernunft. Denn Vernunft beißt für Loben im Linklang mit allen Denkern von welthistorischer Bedrutung Lin heit der Kultur, wahre Linheit kann aber mir da blühen und sich entwickeln, wo nicht sterile. Identität .sondern harmonische Lin- und Unterordnung in dmr Sinne stattfindet, daß «.in einheitliches Mnzip die systematische Gliederung der verschiedensten Gruppen kultureller werte verbürgt. So gesehen bedeutet die Linheit der Vernunft das System der Kultur. Diese These läßt sich wohl als Forderung leicht verständlich und begreiflich machen, aber schwer ist ihre Erfüllung. In neuerer Zeit wie im grauen ÄLtertume haben die Vertreter naturalistischer Anschauungen mit aller Lntschiedenheit derartige Ansprüche der Vernunft als eine maßlcsp Ueberhebung und Verkennung des gesundem Menschenverstandes bezeichnet. Können uirklich — so erwiderte man stets — die Tatsachen der Erfahrung in Batur und Geschichte,, die sich unserem Geiste geradezu aufdrängeq, als gesetzgeberische Mb-