Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3126481-3126586-3126591--2279-3129124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- Monatsschrift für die religiofen Interessen des JudeAms herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum m Deutschland unter der Redaktion von Sr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. IN. Ho. 9 und 10. Jahrgang 9. 5eMr. u. Oktbr. 1917. Heinrich Graef}. Zu seinem bunderMen öeburtstage Ml ZI. Oktober 1917. San Dr, Caefar Seligmann-frankfurt a. IN. 1J rtter all den Männern, welche, vom zweiten Drittel des vorigen Jahrhunderts an, der Wissenschaft des Judentums ihr Leben weihten, ist keiner populärer geworden, populär im edelsten Sinne dieses Wortes, als der Geschichtsschreiber des jüdischen Volkes, Heinrich Graetz. Er hat die Wissenschaft aus der Gelehrtenstube hinausgetragen und ihre «Ergebnisse für die große Masse derer, die außerhalb der gelehrten Kreise stehen, fruchtbar gemacht. Sein großes zwölfbändiges Geschichtswerk ist ein „Erbteil der Gemeinde Jakobs" geworden. Es hat in Deutschland mehrfache Auflagen erlebt, was von keinem anderen der großen Werke der Lvifsenschaft des Judentums zu sagen ist; es ist in'die Sprache aller Länder, wo Juden in geistigem Aufschwung leben, ins Französische, Englische, Russische, ja selbst ins Hebräische übersetzt worden. Sein Einfluß auf die gebildeten Kreise im Judentum läßt sich nicht mit Jvorten beschreiben. Unzählige wurden durch dieses Werk für das Judentum begeistert, unzählige für ihr Vätererbe, das sie erst jetzt kennen lernten, neu gewonnen. Daß das Judentum eine geschichtliche Großmacht sei, daß es eine Lebensberechtigung und Zukunft habe, daß es sich verlohne, für das Judentum zu leben, ja feSft zu leiden, diese Ueberzeugung verdankt ein großer Teil unserer Gebildeten der „Gesuchte der Juden" von Graetz. Darum ist Keiner in neuerer Zeit, so wie er, Prediger des Judentums für die Gebildeten gewesen. wer vor dreißig Jahren Zeuge war der begeisterten Huldigmgen, die dein damals siebzigjährigen von ganz Israel entgegengebracht wurden, biE weiß, was der Name Graetz in der Welt bedeutet, von fast allen jüdischen GemeindenBeutschlands und Oefterreich-Ungärns, von Frankreich, England, Rußland, Dänemark, drn Balkanstaaten, aus Palästina und von gruselt des Ozeans, aus Amerika und AustraLm, trafen Adressen und telegraphische GlücLrünsche ein. Alle diese tausendfachen Stimmrn aus allen Ländern der Erde sprachen es -rus, welche unvergänglichen Verdienste um Die Verjüngung und Erstarkung des Iudentans der Gefeierte sich erworben und wie nicht erst die Nachwelt, sondern scl^on die Lebrnden ihn schaßten " und verehrten. Und doch — ruZen dieser breiten Anerkennung ist fein jüdKher Gelehrter so heftig und so vielfach cngefeindet worden wie Graetz. Christliche und jüdische Gelehrte,