Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 „ 5). Steru: Gegenwart und Zukunft des Liberalismus im Judentum jüdischeii 3trcitmadtt fand sich das gleiche , Bild — die stillen Sunden der <lndacht und Tinkehrsein, da aus den! kleinen Feldgebetbuch ein Kamerad mn Abend einen pl^lm, . .ein. Gebet vorlas, .rurist in unserer deutschen.. Sprache und wir utthre Kerzen erhoben an der schlichten, -edlen, Pcfen A lacht dieses Borns der - Weibe und Trbauung. Die' deutsche Sprache bat unser Kdisches Gewissen nicht beschwert, und der Seldgottesdienst war uns eine mit allen OerrKchkeiten religiöser Meihe gesegnete Trbauuno^ selbst wenn wir dazu am Sabbath fahrar^ wenn wir uns dazu - in einer elenden Bütte, ja auch in einer Kirche versamineln mußten Mid wenn die Klänge der Alilitärkaxelle zu uftftrer Feier ertönten. Mer dachte daran, ob Me vom alten Schulehan Arueh für unverletzkch bingestellts Form gewahrt wurde —, m£> doch, wie viele haben den Gott unserer Otter, von dein sie so oft gelesen und gehört hatten, erst in diesen stunden unvergäncM^er Gelbster Hebung, untrüglicher Sclbftläuttvung erfahren, haben den Zusammenhang zwischen uns Irdischen und IInn, dem gehenrnishehr Thronenden, in Diesen wahrhaft hrLigen ^lugenblicken erst deutlich empfunden. Mir, die wir durch solch Trieben gegangen Wd, lassen uns nicht mehr von anderen, die ftch die Rechtgläubigen nennen, unser. Judentum, unsere Religiosität absprechen, weil lrtsr über unserem Gottesringen alte Rormav und Formen übersehen, ja übertreten habcn> die uns nichts mehr sind? Mir halten uns dennoch ftir fromme Inden. In dieser' erbarmungslos wahren j?rüfungszeit hat unser liberales Judentum feine f)robe bestanden. Und wenn sie wieder gegen uns streiten, Lann will ich meine Kameraden gegen sie aussrusen mit ihren Schätzen neuerkäinpfter alter Religion; sie alle, das . weiß ich, werden Krügen ftir die Ideale des jüdischen Liberalismus. Das sind die Erfahrungen des Kriegs. Das liberale Iudmtnn! braucht sich ihrer wahrlich nicht zu schämen. Menu ich aber auch aus innerster lieberzeugung des-Glaubens bin, daß dieser Liberalismus .fähig und würdig ist, eine (Quelle edelster Zukunftsblüte für Israel und seine Religion zu werden, so weiß ich doch, daß zur Mahrung und Förderung unserer Zukunft nicht nur eine wahre reine t e h r e gehört, sondern vor allem erprobte, fähige Junger nottun, die sich uin das erwählte sanier scharen. ' Don seinen Jüngern aber verlangt der Liberalismus dreierlei.: religiösen Schwung der Seele, gründliches Missen, das dem Gefühlsleben die notwendige geistige Stütze gibt und vor allen! den Rlut, die eimnal für recht erkannte Meinung rückhallslos zu vertreten und vor der Melt zu ihr zu-stehen. Vor allein die jüdische Seele? Tief in jeden! wahren Juden liegt die Begeisterung für das Ideal einer geistig-sittlichen Meltordnung, tief in der jüdischen Seele liegt das Schwingen des Oerzens zum Urquell alles Seins; dieses Sehnen nach dem Höchsten, es ist die uralte Gottessehnsucht Israels. Oerschließt Tuch ihr nicht! „Machet die To».e weit, daß einziehe der König der Thren." Ts sei euer Stolz, Idealisten zu fein. Tausende deutscher Inden .sind für das Ideal, sjnd für ihren Gott gestorben. Mir fordern von Tuch nur, daß Ihr für das gleiche Ideal lebet! Aber eine hochaestinnnte Seele allein laßt sich nicht dauernd bewahren, der Verstand tritt hinzu, er fragt gebieterisch: „Sage mir doch, Seele, was ist das für ein Ideal, dieses Judentum, deinzuliebe.du Gefahr, Tntfagung und beiden auf dich nehmen tollst?" Mie oft hören wir von den Lauen das ungläubigtrotzige Geständnis, sie wüßten garnicht, wofür sie denn sich und ihre Kinder von dem erleichterten Leben der Umwelt äusschlössen, wofür sie Zurücksetzungen erleiden, Tntbehrungen ertragen müßten. Mie oft hören wir die scheue Tntschuldigung der Fahnenftüch-