Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Liberales Judentum JUDAI JTlonatstchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben von der Vereinigung kür das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion oon Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. Hl. _." .-.rr-rr-.v ' ..-7-"—.-—-.- — No. Z und 4. Jalirgang S. ITiärz u. Hpril 1917. Der Prophet €lia, der „Schutzheilige" unteres PeHachtettes. Von Rabbiner Or. Rorden-klberkeld. m Gegensatz zu anderen Bekenntnissen kennt die indische Religion keine heiligen., an die inan sich jum Nat oder I^ilfe wendet, leine sogenannten Schutzheiligen für bestimmte Tage und Feste. Die ^luerkennuug von heiligen würde der Einheit des jüdischen Gottesbegriffes Abbruch tun. von dieserNegel gibt es eine scheinbare Ausnahme. U n s e r P e ß a ch f e st u ä m - lich, das. Fest' der Freiheit, besitzt sozusagen einen jüdischen heiligen, d e r u u s e r Fe st uii d die, d i q e s feiern, wie e i n S ch u tz e n ge l b ewacht, besonders an den -beiden ersten 'Abenden, die die Krone des Festes bilden, an den. beiden Sederabenden: es ist der p r o p h e t Elia. 'Nach alter' Sitte wird an den Sederabenden für den Propheten Elia ein besonderes Glas mit Mein auf der Festtafel bereit gehalten; denn wir erwarten ihn als Gast-, daß er tzeilnehme an unserer Festesfreude und hms die /hohe Bedeutung des peßachfestes übermittele. . Sm £anfc des Sahres lesen wir im Gotteshause so 'manchen Abschnitt aus Jesaja, Ieremia, Ezechiel und den zwölf kleinen Propheten. Niemals aber können wir uns einer Prophetenrede Elias erfreuen, weil wir von ihm nur so viel wissen, als uns. die beiden Königsbücher /von ihm berichten. Seine Neden hat er entweder nicht ausgezeichnet, oder sie sind'uns verloren gegangen. Gewiß ein schwerer Verlust. Allein die Königsbücher haben uns unfern Elia so wunderbar gezeichnet, haben ein so vollendetes Bild voll ihm entrollt, haben mit den! Morten, die sie ihm .in den Nlund legen,! uns seinen Tharakter in seiner ganzen Erhabenheit so unübertrefflich vor Klugen gef'hrt, daß, wenn wir seine Neden auch kennen würden, unsere Bewunderung seiner starken Persönlichkeit einer Steigerung doch nicht mehr fähig wäre.! Dieser Elia nun ist der „Schutzheilige" unseres Peßachfestes, der unsichtbare' Gast an jedem 'Sedertische. Marum gerade er? Meil keiner so wie er die Bedeutung des Festes der.Freiheit uns lehren kann. Mir feiern das Peßachfest ja zum An-! denken an die Befreiung unserer Ahnen ausj hartem Sttavenjoche. Einst waren wir! Knechte, jetzt sind wir frei. Sind wir denn nun aber auch wirklich frei, oder hat nicht der Dichter Necht, daß nicht alle frei sind, die ihrer Ketten .spotten? .Suchen wir doch einmal ein Nkerkmal, an .dem wir erkenne,' können, ob ein Mensch frei ist. Frei ist d e r j e n i g e, der o f f e n, 1c h r l i ch und