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Liberales Judentum · 1916-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1916) · p. Seite 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 87 (sequence 15)
Language
German
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Gedicht zur Konfirmation 87 Melden, Hie ihr Herzblut vergossen, haben nicht umsonst geblutet. Ihr vergehen birgt die Saat'des neuen Werdens, in dem der. Ruhm ihrer Taten Ln dankbarster Erinnerung segensreich fortwirken wird. Nicht sterben werden sie, sondern fortleben in der Ruhmesgeschichte ihres Volkes, als anspornendes Vorbild für künftige Geschlechter, als Bahnbrecher zum goldenen Endziele! Wir ahnen und glauben, dürfen vielleicht gar aus dem Naturgesetze der Erhaltung des Geeignetsten und Besten, für die Bewahrung der Art Erforderlichen, folgern, daß, wie Gottes Hand den Sieg dem gerechteren Kriegsvolke zuweist, wie er das Geschick der Nationen zum Zwecke der Fortentwickelung der Menschheit lenkt, so schirmt und schützt er auch den Einzelnen, wenn für ihn in seinem Ratschlüsse noch eine Aufgabe zum wohle eines kleineren oder größeren Kreises der Menschheit vorgesehen ist. Täglich hören wir von Zufälligkeiten, durch die das Lieben eines Kriegers in ans wunderbare grenzender weise gerettet wurde, täglich von natürlich erscheinenden Ereignissen, die doch einen höheren Schutz ahnen lassen. Wohl wissen wir, daß wir auf übernatürliche Wunder nicht rechnen dürfen, aber hoffen und zuversichtlich glauben können und müssen wir, daß unser Gatte, unser Bruder, unser Sohn, die für des Vaterlandes Ehre, für den Bestand der Heimat, für uns ins Feld zogen, des Schutzes und Beistandes des Weltenlenkers würdig sind, daß ihr Lieben, ihr wirken und Schaffen für eine segensreiche Zukunft aufbewahrt bleibe. Solcher Gedanke gibt uns Kraft, die Sorgen und Aengfte zu bekämpfen, mutvoll und zuversichtlich dem einstigen zukun^ssichernden Frieden entgegenzuschauen. Meiner lieben äcbwester zur Konfirmation. Ich sehe dich stehen — im neuen, weißen Kleide, Umwölbt vom Kuppelbau des Gotteshauses. Um dich wogen die bunten Friese, und die wuchtigen Säulen, hundert strahlende Lichter, dumpf rauschende Vrgel, Und Worte: zarte, ernste, erhabene Worte, Die nach deinem Kerzen tasten. Weihestimmung — geheimnisvolle Schauer. — — Unsagbar wehen und weben Gefühle, die du nie gekannt. Ein brauch von Heiligkeit. Verloren blicken deine Augen. Die Brust wird dir weih Ein Sehnen und wollen, das du nicht begresifft, Das an die Unendlichkeit reicht. Und träumende Tränen, nicht leidvoll, nicht lustvoll . . . Ganz dahingegeben ans Unbewußte, Ungedachte. — i So selst ich dich.- Und dann eilst du die Treppe hinauf Mit roten Backen, Erwartungsvoll strahlenden Blicken; Und siehst die Gaben gebreitet, von Liebe und Freundschaft dir geboten. — Und Glück und Stolz erfüllt dich.

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