Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Süchrrfchau 61 Das Vaterland war in Gefahr, brauchte seine Söhne und zählte auf jeden einzelnen. Ich war gesund und hatte zwei kräftige Arme. Gab es da noch etwas zu überlegen? Ich tat nicht mehr als meine Pflicht, indem ich mich freiwillig in die Reihen der tapferen Kämpfer stellte. Wenn mir auch oft durch die Zurücksetzung in der Beförderung als Jude das Herz blutete> so sagte ich mir doch, daß das nur ein kleines persönliches Leid sei, nicht zu vergleichen mit dem unsäglichen Jammer und Glend, mit den riesengroßen wehen und Schmerzen, die der Weltkrieg über die Menschheit gebracht hat. Jetzt, wo ich zum zweiten Male hinausziehen soll ins Feld zu Kampf und Sieg, werde ich so oft gefragt, ob ich gerne hinausgehe. Freudig erhalten sie alle, die mich fragen die Antwort und ich möchte es Hinausposaunen in die ganze Welt: Noch viel lieber als das erste Mal ziehe ich jetzt gegen den Feind. Habe ich doch in der Zwischenzeit viel, sehr viel gelernt. Damals schickte Man mich hinaus — ich war ja kaum Soldat — als die Zinke eines Rädchens, als gemeinen Mann, der nur die Befehle, die er erhielt, auszuführen hatte, der ledig aller Verantwortung nur seinem Führer zu folgen hatte.! Heute komme ich, selbst ein ^kleines Rädchen des großen ineinandergreifendsn Werkes, als Führer hinaus, der selbst Befehle erteilen muß, auf dem schon ein kleiner Teil Verantwortung ruht. Und dieser Verantwortung bin ich-mir bewußt, bin hocherfreut, daß ich mithelfen darf an der Vollbringung des großen Werkes, den entscheidenden Sieg zu erringen und einen für das teure deutsche Vaterland und feine . Verbündeten glorreichen, ehrenhaften und lang andauernden Frieden zu erkämpfen. Freudig aber ziehe ich auch hinaus alsdeutscher Jude, um denen die mich meines Judentums wegen zurücksetzten, zeigen zu können, daß ein deutscher Jude auch dann noch seine Pflichten bis zum äußersten zu erfüllen gewillt ist, wenn auch gewisse Elemente ihm durch zugefügtes Anrecht Luft und Liebe dazu haben rauben wollen. Nein, ich vertraue auf Gott. Vielleicht wird mir doch noch die äußere Anerkennung, die ich verdient habe. * Und wenn nicht, genügt mir das Bewußtsein, meine Pflicht getreu erfüllt und wie ich es gelobt stets treu und wacker zu Kaiser und Reich gestanden zu haben, so, wie es eben einem echten deutschen Juden geziemt. Vizefeldwebel K. Z. Büdierfdiau. Gattschalk, B., Der jüdische Jugendgottrsdienst nach Theorie und Pra-eis. Berlin ly so. M. Poppelauer. 57 5. Preisschrift der Ma^baum-Stiftung. Preis M. s,60. Die Maybaum-Stiftung hat sich die Aufgabe gestellt, die Bearbeitung der prakt i schon jüdischen Theologie durch Preisausschreiben zu fördern. Die erste wohlgelungene Arbeit, die uns nun auf diesem Gebiete vorliegt, ist die oben angezeigte. Hier wird zum erstenmale der Versuch unternomen alle den jüdischen Jugendgottesdienst betreffenden Fragen zusammenhängend zu behandeln. Nach einer historischen Ginleitung, in der die Entwicklung des Kindergottesdienstes | skizziert wird, erörtert der Verfasser zuerst die Theorie der Liturgie vom religiösen, pädagogischen und praktischen Gesichtspunkt aus, um sodann eine Prüfung der vorhandenen Liturgien vorzunehmen. Die Beurteilung der Frankfurter Liturgie, die in vielen punllen als vorbildlich bezeichnet wird, geht bei der Beanstandung der Tefilla von einem freilich von Außenstehenden kaum zu vermeidenden Irrtum aus. Die hebräische und deutsche Keduscha sollen nicht beide zusammen gesagt werden, sondern es sollten beide Möglichkeiten offen gelassen werden; ebenso bei den drei letzten Stücken der Tefilla. In der neuen Auflage, die demnächst erscheinen wird, ist die Anordnung.einfacher. was die vom Verfasser gewünschte Ginfügung der „Sprüche der Väter" und „Stufenlieder" in den Minchah-Gottesdienst betrifft, so hängt die Entscheidung pro oder contra von der Ansicht ab, die man vom Zweck der Liturgie des Jugendgottesdienstes hat. Soll das Kindergebetbuch den Siddur in dem Sinne ersetzen, daß das Kind kein