Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3126481-3126571-3126574--2090-3128928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JTlonatsfchrift für die religiöfen Intereften des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in DeufTdiland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. M. No. 5 und 6. Jahrgang 8. Mai u. Juni ISIS. Itockmals das „relative Judentum". Van Rabbiner Dr. fucbs-Chemnifz. ollege Goldmann hat neulich hier einen | viel besprochenen Aufsatz der Unterscheidung gewidmet zwischen positivem, d. h. religiös orientiertem, und relativem, d. h. von weltlichen, Interessen geleitetem Judentum. Gr stellt die These auf: Wahres Judentum ist nur das religiöse; die Tätigkeit der Trotz-, verwaltungs-, Vereins-, Pietäts-, Partei- Juden ist, wenn sie nicht von religiösem Interesse getragen und begleitet ist, nicht positiv jüdisch, — so verdienstlich sie an sich auch sein mag. — vom Standpunkt des „relativen Judentums" hat Dr. Und. Geiger eine Entgegnung geschrieben, welche diese Unterscheidung als unzweckmäßig, intolerant und in den Konsequenzen zu weit führend bezeichnet. Diese Entgegnung scheint mir nicht tief genug das Problem zu, erfassen: -Wenn. Konsequenzen falsch sind, müssen entweder die Schlußfolgerungen oder die Voraussetzungen falsch .sein. In erfteren habe ich nur wenig Fehler entdeckt. Ich untersuchte deshalb die Voraussetzungen. Die Resultate scheinen mir der Veröffentlichung gerade in diesen Blättern wert. Goldmann baut auf Voraussetzungen: ^Objektiv steht das Wesen des Iudentrrms fest. 2.) Das Wesen des Judentums ist Religion. 5) Das Wesen der jüdischen Religion ist der ethische Monotheismus. Positives Judentum ist Arbeit für das Wesen der jüdischen Religion. Das sind oft gehörte Sätze. Aber keinen kann ich ohne weiteres unterschreiben. I. In unserer Zeit behaupten weite Kreise von Nationaljuden, das Judentum sei in der Hauptsache nicht Religion. Zahlreiche andere durchaus ernst zu nehmende Menschen trennen sich Juden mit Bewußtsein, ja mit Stolz, und wollen doch von der jüdischen Religion nichts wissen, — aus welchen Gründen auch immer, viele religiös stark interessierte Juden, besonders in der akademischen Jugend, sehnen sich und suchen nach Religion, aber auf Wegen die weitab vom jüdischen Religionssystem führen, und nennen sich trotzdenr Juden. Eine noch viel größere Menge von gebildeten Nichtjuden nähert sich umgekehrt der jüdischen Religion von Tag zu Tage mehv. ohne sich Juden zu nennen. — Kann man da wirklich einfach dekretieren: das Wesen des Judentums steht „objektiv"' fest? Für Goldmann und viele andere steht es fest; das bedeutet aber nichts anderes, als daß es subjektiv feststeht!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.