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Liberales Judentum · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Date
1916-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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. JTTo n atsfdi für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben non der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutfdiland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. IN. No. 3 und 4. Jahrgang 8. lllärz u. April 1916. Der Krieg und die göttliche Weltregierung. Van Dr. Caesar Seligmann-frankfurt a. IN. Von Ler Erde heben sich inbrünstig Hände, Zitternd?, flehende, fromme Hände, Stürmisch trotzende, drohend geballte Hände, Alle heben sich zur Höhe empor, Wo sie das Antlitz des Schicksals suchen, Des Gewaltigen, Ehernen, Mitleidlosen, Des Allgütigen, Allweisen: Hilf uns, du Geheimnisvolles, du Großes Du Sinn der Welt! Von der Erde heben sich inbrünstig Hände; Millionen Hände, aller Völker Hände Flehen, betteln, drohen stürmisch? empor. Doch in der Höhe, Wo sie das Antlitz des Schicksals suchen, Ist Schweigen. Nicht Bitten, nicht Betteln Lenkt den Lauf des Geschicks, den Sinn der Welt. Nicht Millionen gerungene Hände Hemmen und ändern seinen gewaltigen Schritt, Nicht das Leid und das Mitleid der Stunde Trübt seinen ins Ewige gewandten Blick. Millionen schreien empor, Doch in der Höhe ist Schweigen Unergründli ch, unerb ittlichl1) it klirrendem Tisenschritt geht das furchtbare Schicksal über die Erde. Alle seine Schrecken und Dualen hat der grauenvolle Weltkrieg gegen das arme Menschengeschlecht losgelassen. Flammenrot lodert die Todesfackel über der ganzen Erde. Das Weltmeer ist: -ein großes Grab geworden, das gierig , V Aus der Zeitschrift „Universum" 1915, Heft 7. seine Opfer verschlingt. Provinzen zerstampft, Dörfer und Städte zu rauchenden Trümmern verwandelt! Vom Schmerzschrei der Verstümmelten hallen die. Lüfte, vom Todesröcheln der Sterbenden sind die Schlachtfelder erfüllt, vom Stöhnen der Verschmachteten erbeben die .Lande. Tin Strom von Tränen und Blut fließt durch den ganzen Erdteil. Der beste, wertvollste Teil der Menschheit, der sonst friedlich den Heimatboden be--- schritt, froh seiner Arbeit nachging und Segen um sich schuf, wurde hinausgetrieben, fort vom Tlternhause, fort von Weib und Aind, von Pflug und Werkstatt, von Aontor und Schreibtisch, von -Aatheder und Schulbank, fort zu todbringendem Uämpfen, Leiden und Tragen, wo ist ein Haus, das die Zuckungen dieses Niesenkampfes nicht bald als Jammer der Vereinsamung, bald als grau wandelnde Sorge, bald als tägliche Not näher oder ferner fühlte? wo ein Menschenhirn, das nicht seit vielen Monden fast keinen andren Gedanken täglich, stündlich dächte? Schmerz und Trauer, Tränen und Oual von der Nordsee bis zum indischen Ozean! Und darüber 'geht die Sonne auf und nieder, und 'darüber wölbt sich der Fimmel, und die Sterne leuchten, und die Natur geht

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