Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1915)
- Date
- 1915-11-01
- Page
- Seite 139 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Immanuel Saul: „Kn meine Linder" m gebet, — war id? bestrebt, alle Gedanken nur in knappster Form :vl bringen, die Ausführung dagegen dein Siniteti meiner Kameraden und Mitbeter zu überlassen. Das nicht von mir verfaßte, sondern nur einheitlich zusammengestellte Gebet „Um Sieg und Frieden u. s. f." habe id} stark gekürzt; in der mir vorliegenden Uebertragung des Un'sanneh tokef .habe id} dagegen nur eine Aenderung vorgenommen; Us'schuwoh u. s. f. stand in dem mir vorliegenden Wortlaut wie folgt übersetzt: „Buße, Gebet und Liebeswerke aber wenden jedes Unheil von uns ab." Das scheint mir nicht der Inhalt des Versöhnungstages, und so schrieb id}: „Buße, Gebet und Liebeswerke aber erlösen uns von all' unseren Sünden." Der letzte Satz in diesem Gebet ist natürlid} auch von 'mir. — Mit der Voranstellung dieses 'deutschen Un'sanneh scheine id} übrigens einen besonders glücklichen Griff getan zu haben, ebenso aud} mit den von mir gewählten Psalmen. Und in dem Hebräischen Teile, verehrter Herr henle, kamen ' die altehrwürdigen Tempelmelodien zu Ehren, >die id} von Ihnen ja Note um Bote kenne, und die in so hohem Maße geeignet sind, wirkliche Weihestimmung zu erwecken. Sie haben an jenem Tage wohl nicht daran gedacht, daß Ihre Weisen irr den verödeten Kirchen Frankreichs erklingen könnten, daß Ihre überragende Kunst in weiter Ferne feldgrauen Glaubensbrüdern die Weihe unseres heiligsten Tages bringen würde.' Natürlid} wählte ich überall die einfachsten mir bekannten Melodien. - - Wenn id} aber mit so großer Freude erfüllt war, so ist es nicht allein deshalb, weil id} einmal im Leben meinen inneren Beruf mit so -schönem Erfolg ausüben durfte, sondern hauptsäd}lid}, weil 1 dieser Erfolg auch ein Sieg der von mir stets so eifrig vertretenen liberalen Sad}e ist. Alle meine Mitbeter, aus welchen jüdischen Kreisen sie auck} waren, haben mir auf das herzlichste gedankt für die erhebende Andachtsstunde, die id} ihnen mit Gottes Hilfe schenken durfte. Und so reid}e id} Ihnen voll Dankbarkeit die Hand, der Junge dem Alten, denn Sie haben den größeren Teil an dem Gelingen unserer Feier. Sie werden sich sicher freuen, daß Ihr Wirken hier draußen in Kampf und Sturm so sd}öne Früchte gezeitigt. Sie haben, der Alte mit dem Jungen, Seite an Seite für das gleiche Ziel gestrebt: nehmen Sie meinen Bericht als ein Zeick}en dafür, daß wir auf dem rid}tigen Wege find. G. G. fln meine Kinder.*1 (Gedichtet am h. bis \2. Februar l9hö). Als id} hinauszog, für das Vaterland Zu streiten wider Tücke und Verrat, Da sprangt ihr frohbewegt um mid} herum — Und jauchztet euren: tapfern Vater zu. Euch freute wohl der kriegerisd}e Schmuck, Die neuerrungene Würde eures Vaters, verborgen blieb dem kindlichen Gemüt, Was es bedeutet, wenn von Weib und Kindern Der Gatte, Vater zieht in Kampf und Tod. — Doch später, wenn ihr reifer, klüger seid, *) Aus der Zeitschrift „Im deutschen Reich" mit Genehmigung der Trau Hedwig Saul abgeoruckt. Der Verfasser, der im Osten den Heldentod für sein geliebtes deutsches Vaterland starb, war ein begeisterter Anhänger unserer liberalen Bewegung. In dieser Monatsschrift hat er im JanUjarheft >1914 zu einer tapfern und würdigen „Abwehr" das Mort ergriffen. Das Andenken des -edlen, warmfühlenden, tapfern Mannes wird in unserem Kreise gesegnet sein.