Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 95 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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o o 0 0 Ans der Jugendbewegung 95 fius der Jugendbewegung. Jüdisch-liberaler Jugendverein?u Areslau. Zu einer Zeit, da man sich im deutschen Vaterlande rüstete, die 100. Wiederkehr jener Tage zu begehen, die unsere Väter von fremdem Joche befreiten, scharte sich eine kleine Anzahl junger Leute um den Senior der liberalen Bewegung in unserer Stadt. Tin religiöser Mittelpunkt sollte der jüdischen Zugend geschaffen werden/ eine Feste des religiösen Freisinns zu Schutz und Trutz. Mit feinem Gefühl gingen die Gründer des jüd.-liberalen Zugendvereins zu Werke, als die die Herren Sanitätsrat Dr. med. Tarl Reich und Alfred Berger bezeichnet werden können. Der Verein zählt heute 200 Mitglieder, von denen gegen 70 im Felde stehen. Sagt nicht allein die Tatsache, daß der jüd.-liberale Zugendverein Breslau seine Tätigkeit seit den kritischen Augusttagen aufrecht erhielt, genug? Reine Bewegung arbeitete zu jener Zeit! Zene denkwürdige Vorstandssitzung, die „über die weitere Tätigkeit im Kriegsjahre 1914" Beschluß fassen sollte, kann wohl als die bedeutsamste aller dieser Sitzungen betrachtet werden. — <£s soll nicht verschwiegen sein, daß der größte Teil der anwesenden Vorstandsmitglieder wider die Aufnahme der Arbeit war. Ganz allein, aber felsenfest in seiner Anschauung, begründete unser „getreuer Ekkehard", Herr Alfred Berger, in kurzen, prägnanten Worten, was ihn zur Wiederaufnahme der Tätigkeit und zum Durchhalten der Arbeit veranlaßte. Männer wie Dr. Zivier, fürstl. Archivar zu pleß, Rabbiner Dr. Dienemann, Ratibor, Rechtsanwalt Kämpfer, Posen, sowie die Rabbinen Dr. S. Levi, Breslau, und Dr. Z. Goldmann, Mppeln, sprachen begeistert zur liberalen Zugend. An dieser Stelle sei auch des Herrn S. Laquer gedacht, in dein uns ein großer Gönner erstanden ist, und dem jetzt, da er von Krankheit und Leid heimgesucht ist, die besten Wünsche auf baldige Wiederherstellung gellen. Besonders in Gberschlesien Haben sich Gönner gefunden, denen keine Mühe und Arbeit für uns zu viel ist und die, trotz ihrer exponierten Stellungen eine wirksame Tätigkeit in unserer Mitte entfalten. Serr Zustizrat Berger, Königshütte, der gleich Herrn Sanitätsrat Dr. Tarl Reich, Ehrenmitglied unseres Vereins ist, findet, trotz seiner beruflichen Znanspruchnahme, Zeit, für uns zu wirken und zu schaffen. Leider weilt er nur selten in unserer Mitte. Herr Rabbiner Dr. Felix Goldmann, Dppeln, arbeitet mit nie erlahmender Kraft. Zm letzten Vereinsjahr hielt er bei uns drei Vorträge, und jetzt, da wir eine Diskussionsabteilung begründet, hat er die Leitung übernommen. Iltägig arbeitet diese Gruppe, und immer ist ihr Leiter anwesend. Mit beredten Worten versteht der Leiter die verschiedenen Ansichten in den erregten Diskussionen zu beschwichtigen, und in trefflicher Weise gelingt es ihm, die Gemüter seiner Zuhörer zu fesseln und für unsere gute, gerechte Sache zu entstammen. Besonders erwähnen will ich noch die Mitgliedschaft unseres Breslauer Stadtverordnetenvorstehers, des Herrn Zustizrat Dr. Heilberg, sowie die der Herren Prof. Dr. Wohlauer und Fabrikbesitzer Zohn Levi. Herr Levi arbeitet unermüdlich für uns. Zhm verdanken wir auch unsere „musikalisch-deklamatorischen Abende," die immer glänzend besucht waren. — Die sich an die Vorträge anschließenden Diskussionen beweisen, mit welchem Znteresse man den Ausführungen der Redner lauscht. — Zmmer und immer ergreift dann Herr Alfred Berger das Wort. Sei es zur Ergänzung oder Richtigstellung. Den Dank findet er in dem Emporblühen und Gedeihen unserer ganzen Organisation, die als sein eigenstes Werk angesehen werden kann und in deren Zdealen er aufgeht. Zn der Stunde, da ich diese Zeilen schreibe, läuten die Dome meiner Vaterstadt den „Sieg von- Lemberg." Vor mehr denn 10 Zahres-Dekaden öffneneten sich den Zuden in Deutschland die Tore des Ghetto. Unsere Glaubensgenossen in Galizien begrüßen die Erlösung vom Tyrannen, der sengend, mordend und raubend durch das Land zog. . . . Möge der heutige Sieg zum schnellen Ende dieser Verderben speienden Zeit beitragen, damit wir unsere Brüder, die auf dem Schlachtfelde ihr Leben für das Wohl des Vaterlandes alle Zeit einzusetzen bereit sind, bald wieder auf heimatlicher Scholle begrüßen können. Breslau, Zuui 1915. Turt Brienitzer.