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Liberales Judentum · 1915-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1915) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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überdies Judentum Fllonatsfchrift für die religiösen Intereffen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutfdiland unter der Redaktion van vr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. ITl. No. 7 und 8. Jahrgang 7. Juli u. Ruguft 1915. Jahwe, der Gott des Zornes und der Rache.* 1* Cine Rede an die in den Kampf ziehende Jugend. Von Dr. J. Ziegler-Karlsbad. eine jungen Freunde! In einer schicksalsschweren Stunde soll ich einige Abschiedsworte an euch richten. Abschiedsworte soll ich sprechen, die nicht schmerzen und mit brennendem Weh euere Kerzen erfüllen, — die Herzen, die auch so schon voll sind des Leids über den Kummer der Zuruckbleibenden — sondern euch ermutigen, anfeuern, euch beseelen sollen mit Opfermut, Kühnheit und Todesverachtung im Dienste und zum Heile des geliebten Vaterlands. wo könnte ich diese Worte in reicherer Fülle schöpfen, wo sie reiner, abgeklärter, Theodor Fritsch, der bekannte antisemitische. Verlagsbnchhändler und Herausgeber des „Hammer" wurde dreimal vom Landgericht Leipzig „wegen Gotteslästerung und zwar wegen Beschimpfung des Gottes der Juden, Jahwe," bestraft. Er gab hierauf eine Schrift heraus: „Mein Beweismaterial gegen Jahwe," in der er in univürdigster Weise über „Jahwe" — so lesen heute die, rneisteu Bibelforscher das schwer verständliche Tetragramm JHWR — sich ausließ. lieber dieses Buch holte das Landgericht Leipzig uiehrere Gutachten ein, darunter auch eines von Professor Kittel. Dieser gab die Erklärung ab, daß Jahwe, die Gottesidee des Pentateuchs, mit der des heutigen Judentums sich gar nicht decke, und eine Lästerung Jahwes keineswegs identisch wäre mit Gotteslästerung nach unseren Begriffen. Darauf wurde angeblich das Strafverfahren gegen Fritsch's Jahwebuch niedergeschlagen. Die Hauptkräftiger finden als in der alten Bibel mit ihren Gestalten von urwüchsiger Frische und Naivetät, natürlicher Kraft und Einfachheit! wo, wenn nicht in den Worten Jahwes, dieses alten Kriegsgottes, der zornig das rächende Schwert erhebt, an der Spitze seiner Kriegsreihen einherischreitet, um seine Feinde zu zermalmen und zu vernichten! wie sonderbar anders scheint doch unsere Welt in diesen Kriegszeiten geworden zu sein! Noch vor kurzem kannte sie nur den Gott der Liebe und Verzeihung, der Versöhnung und Erlösung, von dem die frage bleibt uns: Ist die Gottesidee des Pentateuchs im Wesen tatsächlich nicht mehr die des heutigen Judentums, oder ist der. Gott des Pentateuchs noch i m m e r der Gott der I u d e n h e i t, selbst der liberalsten und fortgeschrittensten? Einen wichtigen Teil der Frage dürfte nach wie vor die Schilderung Jahwes als des Gottes der Rache und des Zornes bilden. Ist diese Gottesaüffassung wirklich umvürdig und minderwertig, wie von vielen Seiten behauptet wird, nur mehr ein wertloser Rest des alten Donnergottes, den Israel als Nomadenvolk angebetet hat, der die Geringschätzung verdient, die ihm zuteil wird, oder hat sie auch heute noch! ihre Berechtigung? Mit dieser Frage beschäftigt sich die hier veröffentlichte Rede, .. . _

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