Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 69 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Feldpostbriefen 69 „Ihr kleinen Menschen, Ihr töricht Blinden, Könnt Ihr's nicht fassen und nicht ergründen? Blickt um Luch in der weiten Natur, Seht überall seiner Weisheit Spur: In feinem Reiche ist nichts verloren, Aus dem Wintersturm wird der Frühling geboren. Lr läßt selbst das Kleinste nicht sinnlos vergehen, Läßt Neueres, Besseres daraus entstehen. Nur müßt Ihr gläubig auf Ihn vertrauen, Dann werdet Ihr staunenden Auges es schauen; Da wird es Luch knospen aus Leiden und (Dualen, wie köstliche Früchte aus rauhen Schalen; Aus dem, was Luch fetzt mit Grauen erfüllt Der herrlichste Segen der Zukunft entquillt, And was Luch erscheint ohne Zweck und Sinn Bringt der kommenden Menschheit den höchsten Gewinn! flus einem feldpoffbrief an RabbinerDr. Goldfeh midt-Offenbacha.m Karpathen, den 31. März 1915. .... Daß ich inzwischen zum „Leutnant" befördert worden bin, werden Sie wohl schon von meiner lieben Frau gehört haben. Meine besondere Freude als glaubenstreuer Jude können Sie sich wohl denken. Dabei machte ich nie ein hehl aus meiner Religion. Km Tage: meiner Beförderung hatten sich alle Offiziere des Bataillons selbst zu einer gemeinsamen Tasse Kaffee ic. bei mir eiiv geladen. Daß meine Gefühle der Dankbarkeit sich nach oben richten, zu dein Allgütigen, der mir die Gnade erwiesen hat, mich durch alle Gefahren bis dahin zu erhalten, brauche ich Ihnen wohl nicht zu schreiben. Täglich rufe ich den Gott meiner Väter mit dem mir vertrauten „Schma Iisroel" an und bitte ihn, mich dem geliebten Vaterland bis zu dem ersehnten, ehrenvollen Frieden zu erhalten und dann meiner heißgeliebten Familie und dem großen Kreise meiner Freunde und Gönner wieder zuzuführen. hochgeehrter Herr Dr.! Vor 25 Jahren traten Sie als geistlicher Führer an die Spitze unserer Gffenbacher Gemeinde. Ich selbst hatte die Freude, Sie fast die ganze« Reihe der Jahre als Nachbar,-als Gönner und als Seelsorger mir nahe zu wissen. Leider kann ich Ihnen heute nicht mit herzlichem Händedruck meine Gefühle und Glückwünsche zum Ausdruck bringen. Lbenso ist es mir versagt, innerhalb der Gemeinde zu Ihrer Lhrung beizutragen. Um so herzlicher sind aber deshalb meine wünsche für Ihr ferneres Wohlergehen, die ich Ihnen aus dem Felde sende. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch recht lange die Zierde Ihrer verehrten Familie sowohl wie unserer Gemeinde zu bleiben. Und wenn die Söhne unserer Vffenbacher Gemeinde heute als stolze Bekenner unseres Glaubens im Felde ihre Pflicht erfüllen, dann wird bei ihnen manches Samenkorn aufgegangen sein, das Sie in unsere Herzen eingepflanzt haben. Seien Sie mit Ihrer ganzen Familie herzlichst beglückwünscht und gegrüßt von Ihrem Sie sehr verehrenden G. G. flus einem feldpoftbrief aus Ungarn. Meine geliebten Lltern! .... Zö. ist ein großes schönes Dorf mit zwei großen Dominien, wo es vor allem außer der äußerst sympathischen Sauberkeit der Haushaltungen mehrere jüdische wohlhabende Familien gab, bei denen ich sehr oft zu Gaste war. Da war zunächst Herr K. und Herr B., ersterer Ladenbesitzer und „Lrwählter" im Dorf in pajis und Thalad,