Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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o o O 0 Ar. Felis Freudrnthal: Kriegsbetrachtungen 67 Endlich war man bisher der Ansicht, daß internationale Abkommen, also Schiedsverträge, Genfer Konvention usw. das Zusammenstößen der Großmächte — von den kleinen erst gar nicht zu reden — verzögern und die Kriegsführung selbst zu einer humanen und den Verhältnissen entsprechend möglichst erträglichen gestalten würden. Alles dies hat sich als Kathederweisheit erwiesen, wie die russischen und bulgarischen Greueltaten nur zu deutlich dargetan. Krieg ist eben Krieg und verhetzte, durch Entbehrungen und Gefahren stark erbitterte Truppen, noch dazu wenn sie undiszipliniert und verroht sind, wie so viele unter unseren Feinden, lassen sich durch keine anderen Reglements und Verträge als durch die Militärstrafgesetze im Zaum halten. lieber die bewunderungswürdige, geradezu beispiellose Zähigkeit, Ausdauer und Tapferkeit der heldenmütigen deutschen Heere in diesem Riesenkampfe braucht hier kein Wort verloren zu werden. Stolz aber können wir vor allem auch auf unsere jüdischen Stammesgenossen sein, die es an Riut und Todesverachtung, an Begeisterung und Vaterlandsliebe, uneingedenk vielfacher Zurücksetzung in Friedenszeiten, mit jedem ihrer Kameraden aufnehmen. Jetzt zeigt sich am deutlichsten, wie m Zeiten der Gefahr die Deutschen aller Bekenntnisse fest und unzertrennlich zusammenstehen, und wie gerade die so häufig verdächtigten Israeliten eine Menge Blutzeugen dafür stellen, daß die Ehre und Unabhängigkeit Deutschlands ihnen gerade so Herzenssache ist, wie unseren christlichen Mitkämpfern. Gerade mit deutscher Erde verknüpft uns Juden ein unsichtbares, aber ganz unlösliches Band, das an Stärke und Kraft in keinem anderen Tande des Erdballs, wo Glaubensgenossen anzutreffen sind, sich wiederfindet. Diese in früheren Zeiten wenig erwiderte Liebe beruht zum großen Teil auf dem von uns hochverehrten unzerstörbaren deutschen Idealismus, auf deutschem fGemütsleben und deutscher Kultur, auf deutschem wissenschaftlichen Streben wie auf deutscher Poesie und jeder Art von deutscher Kunst. Deutsche Sprache hat unser jüdisches Innenleben befruchtet und gebildet. So halten wir unentwegt und in unverbrüchlicher Treue zu der schwarzweißroten Fahne, in der festen Zuversicht, daß das jetzige Ringen um die Existenz und die Größe des Vaterlandes nur so enden kann, daß ränkevollen und beutelüsternen Feinden die Lust vergehen soll, in Jahrhunderten sich noch einmal zu einem neid- und haßge-- borenen Bund gegen das deutsche Reich zu verbinden. Nie wird uns der Krieg Selbstzweck sein. Wissen wir doch zu gut, daß mit jedem Deutschen, der dahinsinkt, ein wertvoller Kulturträger verloren geht, daß selbst die herrlichsten Siege zahllose Tränen und Trauer kosten, und daß Feldzüge, die Jahre hindurch geführt werden, für alle Teile Verarmung, Verrohung und einen verhängnisvollen Niedergang der Kultur zur Folge haben. Darum hat ein deutscher Dichter schon vor langer Zeit mit Recht die Verse geprägt: G, der Krieg, der Krieg! Was die Natur Mit stillem Fleiß die langen Jahre schafft^ Zerstört ein Augenblick des blutigen Wahnsinns, Es muß der blinden Habgier alles weichen! Zu jedem Greuel sinkt die Welt hinab. Es häuft der Mensch auf Teichen frische Teichen, Und düngt mit Blut doch nur sein eigenes Grab.