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Liberales Judentum · 1915-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1915) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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liberales Judentum monatsfdirift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutkckiand unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. M. No. 5 und 6. Jahrgang 7. Mai u. Juni 1915. Übereinstimmung jüdiscker 6runägeäanken mit den Idealen der deutschen Oegenwart. Von Dr. Hermann £öb-Karlsruhe. hat in diesen Tagen oft Judentum - 1 * und Deutschtum gegenübergestellt und dabei besonders die auffällige und angenfällige Tatsache in den Vordergrund gerückt, Daß Deutschland heute fast in Der ganzen Welt einer Abneigung und einem ksaß, im günstigsten Falle einer gleichgültigen Rühle begegnet, wie sie sonst in Türopa wohl nur das Judentum erfährt. Alan hat daraus Schlüsse und parallelen gezogen, die mehr oder weniger darauf hinauslaufen, daß die Feindschaft gegen Juden und Deutsche auf demselben Motiv beruhe: der Tüchtigkeit und Fähigkeit auf der einen und dem Neid auf der Lindern Seite. Es dürfte vielleicht fruchtbarer sein, die Aufmerksamkeit statt auf die wirtschaftlichen und kaufmännischen Vorzüge und Aehnlichkeiten auf einige Gleichheiten in dem Geistesleben, des Judentums und des Deutschtums zu lenken. Nur wenige Grundelemente seien hier genannt; sie ließen sich nach der negativen und positiven Seite leicht vermehren. Hermann Gunkel hat in der ersten Zeit des Krieges in der Frankfurter Zeitung einen Aufsatz veröffentlicht, des Inhalts, daß fetzt, während fast alle anderen Wissenschaften mehr oder weniger ohne Anschluß an die gegenwärtige Bewegung seien und sich daher augenblicklich unnütz vorkämen — daß jetzt der Bibelforscher mit festen Füßen in der Gegenwart und Wirklichkeit stehe, und zum Beweise dessen führt er die glutergrififenen Lieder an, mit denen die Propheten die Ereignisse des assyrischen und babylonischen Reiches begleiteten. Aber auch wenn wir unfern Standpunkt aiiders nehmen und auf die allgemeinen Züge schauen, die den Unterbau des Judentums bilden, stehen wir ganz in der Gegenwart. Bei diesem vergleiche richtet sich unser Blick natürlich nur auf die dauernden Werte, nicht auf das, was wechselt und schwindet. ' Da ist zunächst und vor allem der Grundbegriff des Judentums: - Gott. Groß und einfach und gewaltig wird dies Wort, aus Not und Tod, zu neuem Leben geboren. Wir hören es aus dem Munde des schlichten Streiters, wir hören es aus dem Munde unserer Dichter und Denker. Ls ward ihm Fülle und Inhalt: das ganze gewaltige Erleben, alles Hoffen und alles Bangen, alles Wünschen und Sehnen — sie finden kein anderes Wort als jenes uranfängliche dem Menschen zu tiefft vertraute: Gott — ohne Beiname, ohne weitere Bezeichnung, vielleicht waren wir selbst schuld an der Minderung seines Wertes, an der Gleichgültig-

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