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Liberales Judentum · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. Seite 48

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 48 (sequence 24)
Language
German
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48 Aus der Jugendbewegung: Hamburg sucht gewandt versteckten, so hat sich die von uns so oft gelobte Weichheit des russischen Volkscharakters als dünne Oberschicht gezeigt, unter der sich die roheste Unkultur verbarg. Nur die deutschen „Barbaren" haben bewiesen, daß die deutsche Kultur keine hohle Redensart und keine Tugendmaske ist, daß sie vielmehr in Fleisch und Blut unseres gesamten Volkes übergegangen ist. Der Krieg ist wie ein läuterndes Feuer über unser Volkstum gekommen und hat Schlacken und Flecken aus ihm herausgebrannt. So wie die Makkabäerkriege für das Volk der Bibel die Zeit seiner Neugeburt, seiner Selbstbesinnung, die (Quelle vertiefter Religion geworden, so bedeutet dieser Weltkrieg die innere Vorbereitung aus die glänzende Zukunst unseres Volkes. Als letztes Rechtsmittel ist der Krieg eine Forderung der Religion, als Volkserzieher ist er ein wegebereiter der Religion. — Der vom Thor vorgetragene Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirt" von Bernhard Klein bildete den Schluß der wahrhaft ernsten Stunden, deren musikalische Leitung in den Händen des Herrn M. Henle lag. Die zweite Veranstaltung fand am haus war überfüllt. Wieder wurde der Abend war überfüllt. Wieder wurde der Abend eingeleitet durch musikalische Darbietungen; dann sprach Herr Dr. Löwenb er g üb er „d er Krie g als Erzie h e r". Der Redner legte dar, wie uns der Krieg plötzlich aus dem gewohnten Alltagsleben heraushob, wie er uns von dem persönlichen losriß und unseren Blick auf die Allgemeinheit lenkte. Der Krieg wirke wie ein großes Naturereignis, wie eine Sturmflut, wie ein Erdbeben, und die Größe der Erscheinung, das Bangen vor dem Unbekannten, habe im ganzen Volke ein tiefes religiöses Gefühl geweckt. Das Bewußtsein, daß wir alle dieselbe Not tragen, daß alle dieselbe Hoffnung trägt, habe alle Deutschen ohne Unterschied der Partei, der Konfession, des Standes zu einer Einmütigkeit zusammengeführt, wie wir sie noch nie erlebt haben. Eine neue Lebensgemeinschaft umschließe alle und das überquellende Gefühl der Zurückgebliebenen, denen es nicht vergönnt war, für das Vaterland zu kämpfen, suche nach Betätigung. Ls war etwas wunderbares, wundervolles, wie es jeden geradezu wje eine Leidenschaft ergriff, etwas für die Gesamtheit tun zu wollen. Zeder wollte Opfer bringen, selbst die Kinder wollten nicht zurückstehen. Die größten Opfer aber bringen die, die einen ihrer Lieben dahingeben. wir verstehen es, wenn sie sich in Trauer verzehren, wer aber sein Leid tapfer trägt und noch stolzer einhergeht ob der Größe des Opfers, das er dem Vaterland bringt, dem beugen wir uns in Ehrfurcht, was unsere Krieger da draußen an Hingabe und Aufopferung, an Heldentum jeder Art leisten, das können wir hier gar nicht ermessen. Ungeahnte Anlagen und Kräfte weckt der Krieg in ihnen und trägt sie zu Blüten. Unsere Zugend, die mit Singen und Zauchzen in die Schlacht geht, die die größten Entbehrungen und Anstrengungen mit Frohsinn erträgt, zeigt, daß ihr die Zdeale nicht verloren gegangen. Die treueste Kameradschaft, die Todeskameradschaft, verbindet die. Krieger mit unlöslicher Macht. So Großes a ber auch der Krieg zeitigt, wir sollen nicht vergessen, wie viel Leid und Not und Elend in seinem Gefolge sind. Und hüten sollen wir uns, in den Fehler unserer Feinde zu fallen, Gerechtigkeit und Wahrheit zu vergessen und eitler Selbstüberhebung zu frönen. Das Gute und Große anderer Völker zu erkennen und anzuerkennen ,ist eine der schönsten Eigenschaften der Deutschen. Als dauernden Besitz sollen wir das neue Brudertum und unserem Volke die soziale Fürsorge, die unermüdliche Hilfs!- bereitschaft hinübernehmen in friedliche Zeiten. Zn seiner letzten Wirkung muß der Krieg auch zum Frieden erziehen. Und wie sehr wir ihn auch ersehnen, bis wir ihn uns erzwungen, wollen wir durchhalrnr, zum Ruhme, zum Heile unseres Vaterlandes. Zn der dritten Veranstaltung, welche am 24. Zanuar stattfand, sprach Herr Dr. med. Z. T ü r k h e i m über „Krieg und Sittlichkeist", in der vierten, am 14. Februar, Herr A x o t h e k e r G o l d st a u b über „D e r Krieg und das Kind", in der fünften, am 28. Februar, Herr Prediger D r. Leimdojrfer über „Der Krieg in der B,ibel und die Bibel im Krieg". Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 22. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Eleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Gasse 6.

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