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Liberales Judentum · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
7/8 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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überdies Judentum ITlonatsTchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutfdiland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. Ul. No. 3 und 4. Jahrgang 7. Illärz u. April 1915. Religionsgetchichtliche Betrachtungen zum Kriege. Lin vartrag van Dr. Max freudenthaMlürnberg, ySon 'den Empfindungen, die UNS Israeliten angesichts dieses furchtbaren Krieges erfüllen, auch außerhalb des Gotteshauses zu sprechen, erscheint mir als ein j)flichtgebot uns selber wie der Meffentlichkeit gegenüber. Selbstverständlich soll diese Betrachtung nicht etwa darüber gehen, was wir Juden in dieser ernsten Zeit für unser deutsches Vaterland im Felde draußen oder hier zuhause, gehorsam oder freiwillig, Rühmliches leisten. Unsere jüdischen Abwehrvereine mögen im Stillen solch Rlaterial sammeln, um die früheren und die etwaigen künftigen Verdächtigungen unserer Gegner damit zu widerlegen. Auch unsere Kultusgemeinden mögen zusammenstellen, wie viele ihrer Männer und Söhne als tapfere Soldaten mit hinaus aufs Schlachtfeld gezogen sind, um die Namen dieser ihrer Treuen für . alle Zeiten in den Ehrenblättern der Gemeindegeschichte zu verzeichnen, und ich bitte sogar darum, daß wir bei der Zusammenstellung von jedermann unterstützt werden. Aber irgendwie rühmen wollen wir uns dessen in keines weise, daß auch wir Juden unsere ganz selbstverständliche vaterländische Pflicht erfüllen. Denn das hieße uns selbst herabsetzen, nicht erhöhen, wollten wir uns ein ausdrückliches Zeugnis darüber einfordern, daß wir nicht bloß in guten, sondern auch in schweren Tagen treue Bürger sind. All das liegt auch meiner Betrachtung in diesem Augenblick völlig fern. Vielmehr möchte ich dartun, was wir als Juden empfinden bei diesem entsetzlichen Krieg, dev in einer bisher in der Weltgeschichte unerhörten weise alle idealen Zusammenhänge zwischen den Kulturvölkern der Menschheit gelöst, und der auch unsere Glaubensgenossen in den verschiedenen Ländern, die noch vor kurzem als Brüder in engstem Zusammenhänge und Zusammenhalt standen, auf einmal als Feinde wider einander auf den j)lan gerufen hat. Daß gerade in uns Juden durch diese beiden tiefschmerzlichen Tatsachen ganz besonders bewegte Gefühle jund Empfindungen ausgelöst werden, ist leicht begreiflich, sowohl von unserem religiösen wie von unserem religio n s g e s ch i ch t l i ch e n und kulturgeschichtlichen Standpunkt aus. vom religiösen Standpunkt aus lehnen wir Juden jeden Krieg ab. wer noch so wenig von der Bibel weiß, weiß doch das eine, daß die Propheten Israels

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