Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Aus drr Jugendbewegung: Posen ihr Ziel. Auch' in den: gegenwärtigen Kampfe zeigten sich die jüdischen Kämpfer ihrer Ahnen würdig. Redner ermahnte die Soldaten auch fernerhin ihre Pflicht zu erfüllen und stets treu für Kaiser und Reich einzutreten. — Die tiefergreifende Ansprache verfehlte ihre Wirkung nicht. Nachdem L> err prof. D r. Bloch die Lhanukalichter entzündet, und die Versammelten das (Lhanukalied gesungen hatten, schloß Orgelspiel die eindrucksvolle Feier. Im Anschluß an diese Feier luden wir die in der Synagoge anwesenden Soldaten zum Abendessen. Unserer Einladung waren 100 Soldaten gefolgt, ebenso Lserr Rabb. prof. Dr. Bloch und Ls err Kommerzienrat Hamburger, der Vorsitzende des Vereins „Liberaler Juden". Im Namen des Vorstandes begrüßte der Schriftführer des Vereins Lserr Arthur Simon die Gäste und ^brachte das Kaiserhoch aus, worauf Herr Hab er mann- Watt entscheid t im Namen der Soldaten dankte. Sodann brachte unser Vorsitzender, Ls err Rechtsanw. Ne Hab, der selbst unter den Lvaffen steht, auf Herrn Rabb. prof. Dr. Bloch ein Doch aus, ihm dankend für das Interesse, das er unserein Verein stets entgegengebracht hat. In humoristischer und doch begeisternder LVeise antwortete Lserr P r o f. Bloch mit einen: Lsoch auf „Jung Juda". Anerkennende LVorte zollte sodann Lserr Kommerzienrat Hamburger den Damen und Lserren unseres Vorstandes, worauf Herr Lsabermann nochmals besonders den Damen unseres Vorstandes für die Vorbereitung dieses Abends, sowie für die federn Soldaten überreichten Liebesgaben dankte. Ihm erwiderte Frau LV a l l y L e s s e r, das rührige und geschätzte Mitglied unseres Vorstandes, mit Worten, die erkennen ließen, wie gern die Frauen es den Soldaten erleichtern möchten, da sie doch selbst Männer und Söhne im Felde hätten. Nicht endenwollender Beifall lösten diese von Herzen komnrenden Worte unter den Soldaten aus. Zur Verschönerung des Abends trugen die Herren Kantoren T i ch a u e r und Lederer, die ebenfalls j eingezogen sind, einige Lieder vor. Das gemeinsame Tischgebet, von Lserrn D b e r - kantor Lilienthal vorgetragen, schloß den in jeder Beziehung wohlgelungenen Abend.! Nicht unbemerkt möchten wir lassen, daß von unseren Mitgliedern, außer denen, die sich noch in der hiesigen Garnison befinden, 30 im Felde stehen, die wir zu Thanuka mit Liebesgaben bedachten.. *) Der stimmungsvolle prolog lautet: Nun nahst du im schimmernden Feiertagskteide, Im .Lichtglanz, du liebliches Chanukah! Nicht schallt dir's entgegen voll jauchzender Freude, Voll heiterer Wonne, wie sonst es geschah. Die Kriegsfackel lodert und Tränen fließen. Uns ist nicht nach Scherzen, nach Lachen und Suft! Und doch sieh uns händefaltend dich grüßen, Dich grüßen aus voller, bewegter Brust! Sei uns willkommen, du Fest der Weihe! Ja, ja! Dn kehrst uns zur rechten Zeit, Stärkst und erhebst uns wieder aufs neue, Füllst uns die Seele mit Stolz und mit Freud'! Du redest laut — und das Herz schlügt höher —: Gedenkt eurer Väter ruhmreicher Zeit, Gedenket der Taten der Makkabäer, Ihres Löwenmuts, ihrer Tapferkeit! Der Geist, der sie für die heiligsten Güter Hieß freudig einsetzen Leben und Blut, In ihrer Enkel Schar lebt er wieder Mit lohend entflammter, mit neuer Glut! Tatkräftig und kühn' sie heut es beweisen, Die deutschen Juden, mit Herz und mit Hand, Sie sind geschmiedet mit Ketten von Eisen Ans teure, ans glorreiche Vaterland! Und nistet uns Trauer und Angst im Gemüte Um sie, die da draußen der Kciegssturm umtost Wild wütend wider der Jugend 'Blüte, — Es wird uns .ein süßer, erhebender Trost: Durch Kampf und Tod führen die dornigen Bahnen Zmn herrlichen Ziele zwiefachen Ruhms, Es gilt zu schützen des Vaterlands Fahnen, Es gilt die Ehre des Judentums! — Hört ihr es rauschen, hört ihr es singen, Gleich wie aus himmlischen Sphären ein Lied? Der Makkabäer Stimmen, sie klingen, — Und Saiten der Seels erklingen mit. — „Ihr wißt" — so tönt es — „für Höchstes zu streiten Begeistert und treu, so wie wir es gelehrt, Gott wird euren Waffen den Sieg bereiten! Heil euch! Ihr seid eürer Ahnen wert!" Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 22. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Gleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Gaffe 6.